Sanierung der Finanzen
Portugal verkauft 70 Prozent der Staatspost

Das Euro-Krisenland Portugal versilbert weiter Staatsbesitz: Jetzt privatisiert es das Postunternehmen CTT-Correious - zumindest zu 70 Prozent. Die restlichen Anteile bleiben in den Händen der Bürokratie.
  • 2

LissabonPortugal setzt den Verkauf von Tafelsilber zur Sanierung der maroden Staatsfinanzen fort. Nach mehreren Privatisierungen trennt sich das Euro-Krisenland nun auch von 70 Prozent der Anteile am Postunternehmen CTT-Correios de Portugal. Die restlichen 30 Prozent behält der Staat. Das teilte die Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho am Donnerstag nach einer Kabinettssitzung in Lissabon mit.

Die Privatisierung solle sowohl über die Börse als auch per Direktverkauf an institutionelle Investoren erfolgen, hieß es. Bis zu fünf Prozent sollen für die Belegschaft reserviert werden. Zum erwarteten Erlös wurden keine Angaben gemacht. Medien sprachen aber von einer möglichen Einnahme von bis zu 600 Millionen Euro.

Mit Kundgebungen und Streiks hatten die Beschäftigten der Staatspost mehrfach gegen die Privatisierungspläne protestiert und auch den Umstrukturierungsprozess angeprangert, in dessen Rahmen bis jetzt mehr als einhundert Filialen geschlossen wurden. Die Zahl der Mitarbeiter wurde allein zwischen Mitte 2012 und Mitte 2013 um 939 auf 13 156 gesenkt. Im ersten Halbjahr 2013 erhöhte sich der Gewinn auf 31,6 Millionen (Vergleichszeitraum 2012: 30,8 Mio) Euro.

Mit dem Privatisierungsprogramm will Portugal die Auflagen der Geldgeber erfüllen, die das Land 2011 mit einem 78 Milliarden schweren Hilfspaket vor dem Bankrott retteten. Bisher trennte man sich von Anteilen am Stromriesen EDP, am Energieversorger REN sowie an der Flughafenverwaltungsbehörde ANA. Dafür flossen rund 6,5 Milliarden Euro in die Staatskassen. Das Mindestziel von 5,5 Milliarden ist längst übertroffen. Zur Privatisierung stehen auch noch die Airline TAP, Teile der Wasserbetriebe Aguas de Portugal sowie Schiffswerften im Norden des Landes an.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sanierung der Finanzen: Portugal verkauft 70 Prozent der Staatspost"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die restlichen Anteile bleiben in den Händen der Bürokratie?

    Oh Nein!

    Sie bleiben in den Händen des STAATES.

    Und die "Bürokratie" hat bei einer Minderheitsbeteiligung nicht viel zu sagen.

    ...

    Schreiben beim Handelsblatt jetzt 13-jährige die Überschriften?

    Egal. Hauptsache, ein Büro an der Wallstreet.

  • Man kann ja nur einen einiger Maßen Haushalt hinlegen, weil man hier und dort Anteile des Staates verkauft. Wenn nichts mehr zum Verkaufen da ist, wird Portugal wieder gehörig in die Verlustzone abrschmieren. Und das wollen die Mächtigen im Hintergrund ja. Die einzelnen Staaten sollen gezwungen werden ihre Infrastruktur an private Hände zu verkaufen. Wasserversorgung, Stromversorgung, Ebergie, Flughäfen, Häfen , Grundbesitz etc. Mit dem "Fiatgeld" könnew so die Reichen und Mächtigen diese Dinge aufkaufen und so haben sie die Völker/Menschen in ihrer Hand. Staaten und Menschen können erpresst und ausgepresst werden. Das steckt hinter den ganzen Privatisierungsauflagen !!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%