Sanierung des Schienennetzes
Londoner U-Bahn-Konsortium geht in Konkurs

Die Sanierung der maroden Londoner U-Bahn hat einen herben Rückschlag erlitten. Das Betreiberkonsortium Metronet, das für etwa zwei Drittel des U-Bahnnetzes verantwortlich ist, hat gestern Konkurs angemeldet. Wegen der Olympischen Spiele 2012 drängt die Zeit für eine Lösung.

LONDON. „Metronet benötigt zusätzliche Mittel, um seine vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen“, teilte das Konsortium mit und ergänzte: „Das Unternehmen ist zu dem Schluss gekommen, dass solche Mittel nicht zur Verfügung stehen.“ Zu Metronet gehören neben den Baukonzernen Balfour Beatty und WS Atkins der kanadische Bahntechnikkonzern Bombardier, der französische Stromriese EdF und der britische Wasserversorger Thames Water.

Zwei Konsortien – Metronet und Tubelines – kümmern sich im Rahmen so genannter Public-Private-Partnerships (PPP) um die Sanierung des rund 400 Kilometer langen Schienennetzes. Erstmals hat die britische Regierung dazu auf private Investoren zurückgegriffen. Die Politik hatte zuvor über Jahrzehnte versäumt, genügend Geld für Wartung und Modernisierung der U-Bahn bereitzustellen.

Das Metronet-Konsortium hat 2003 mit zwei Tochterunternehmen Verträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren geschlossen und sollte für 17 Mrd. Pfund (25 Mrd. Euro) Schienen, Züge und Bahnhöfe bei neun U-Bahnlinien sanieren. Dafür wurde dem Konsortium einschließlich Finanzierungskosten jährlich 600 Mill. Pfund bezahlt.

In der bislang größten Krise eines britischen PPP-Projekts hat Londons Bürgermeister Ken Livingstone jetzt die Prüfungsgesellschaft Ernst & Young mit der Konkursverwaltung von Metronet beauftragt.

Metronet beantragte am Mittwoch Konkurs, weil der unabhängige Schiedsrichter im Streit um Kostenüberschreitungen nur 121 Mill. Pfund bewilligte. Metronet hatte 551 Mill. Pfund beantragt. Längerfristig fehlten den beiden Tochterfirmen Metronet Rail BCV Ltd. und Metronet Rail SSL Ltd. bereits zwei Mrd. Pfund. Außerdem lag Metronet im Zeitplan bei der Renovierung von U-Bahnhöfen zurück.

„Enttäuschend, aber nicht unerwartet“, kommentierte WS Atkins die Entscheidung. Atkins hat bereits 121 Mill. Pfund an Metronet Investitionen abgeschrieben, Balfour Beatty und Bombardier haben zuletzt 100 beziehungsweise 82 Mill. Pfund abgeschrieben.

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