Sanierung durch Konzernchef Moberg zeigt deutliche Erfolge
Ahold kauft erstmals wieder zu

Der niederländische Lebensmittelhändler Ahold, der vor zweieinhalb Jahren nach Bilanzmanipulationen ins Schlingern geraten war, expandiert erstmals seit dem Start seines Sanierungsprogramms wieder über Zukäufe.

cs HB DÜSSELDORF. Wie der weltweit viertgrößte Handelskonzern gestern bekannt gab, übernimmt Ahold das tschechische Filialnetz von Julius Meinl mit 67 Supermärkten.

Wie viel die Niederländer der österreichischen Investmentholding Julius Meinl International AG für den Zukauf zahlen, wurde nicht veröffentlicht. Analysten von ING und Delta Lloyds Securities schätzen den Wert des Neuerwerbs auf 30 bis 42 Mill. Euro. Die Übernahme von 67 Supermärkten in Tschechien sei für Ahold zwar nur ein relativ kleiner Zukauf, hieß es bei den Analysten von Fortis, sie markiere aber einen Wendepunkt für das Unternehmen.

Im Februar 2003 war der weltweit operierende Konzern in eine existenzgefährendende Schieflage gerutscht. Zuvor hatte die Konzernspitze eingestanden, dass der Konzerngewinn durch Bilanzmanipulationen bei der amerikanischen Tochter U.S. Foodservice über drei Jahre hinweg um fast eine Milliarde Euro aufgebläht worden war. Der Aktienkurs brach damals um mehr als 60 Prozent ein, Vorstandschef Cees van der Hoeven und weitere Topmanager nahmen ihren Hut. Der neue Vorstandsvorsitzende Anders Moberg, zuvor Chef der Möbelkette Ikea, reagierte mit dem straffen Sanierungsprogramm „Road to Recovery“, das unter anderem eine deutliche Kapitalerhöhung vorsah. Der drohenden Überschuldung begegnete Moberg zudem mit einem umfangreichen Verkaufsprogramm. Bis Ende März 2005 trennte sich Ahold fast von sämtlichen Töchter und Beteiligungen in Asien und Südamerika sowie von weiteren Filialketten in den USA und Europa mit einem Gesamtwert von 2,57 Mrd. Euro.

Die Wechselkurs- und Buchverluste, die Ahold dabei erzielte, drückten das Konzernergebnis in den letzten beiden Jahren ins Minus. 2003 und 2004 summierten sich diese außerordentlichen Verluste auf 631 Mill. Euro. Auf der anderen Seite sanken die Verbindlichkeiten von 12,3 Mrd. Euro Ende 2002 auf inzwischen 6,5 Mrd. Euro. Der Schuldenabbau führte zum Erfolg: Mitte Mai 2005 garantierte ein Konsortium aus 15 Banken dem einstmals angeschlagenen Konzern eine fünfjährige ungesicherte Kreditlinie über zwei Mrd. Euro – für „allgemeine Unternehmenszwecke“, wie es heißt. Der Konzern erhält damit wieder deutlich mehr operative Handlungsfreiheit.

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