Sanierungsplan
Rom lässt Alitalia freie Hand

Seit Monaten sucht die die italienische Regierung schon nach Investoren für die angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia. Nun zieht sie sich aus dem Verkaufsprozess für die Airline zurück. Die Verhandlungen mit potenziellen Käufern soll der neue Alitalia-Präsident Maurizio Prato führen. Dafür bekommt der erfahrene Luftfahrtmanager mehr Macht.

MAILAND/DÜSSELDORF. Der neue Alitalia-Präsident Maurizio Prato soll an weniger Bedingungen gebunden sein als sein Vorgänger Berardino Libonati. Libonati war am Dienstag Abend – nur einen Tag bevor das Management einen neuen Sanierungsplan vorstellen sollte – überraschend zurückgetreten.

Als neuen Termin für die Vorlage des Sanierungsplans legte der Verwaltungsrat gestern den 30. August fest. Die Frist von vier Wochen soll Prato Zeit geben, dem Plan den eigenen Stempel aufzudrücken. Beobachter rechnen damit, dass das Management eine Kapitalerhöhung beschließen wird, die allerdings nicht vom Staat, sondern von neuen Investoren getragen werden soll. Das Unternehmen würde also neue Aktien ausgeben und der italienische Staat, der bisher noch knapp 50 Prozent der Anteile hält, würde seine Kaufrechte an den neuen Investor abtreten. Eine solche Kapitalerhöhung hätte den Vorteil, dass das Geld der potenziellen Investoren in das Unternehmen und nicht an den italienischen Staat fließen würde. Gleichzeitig würde der Staatsanteil im Zuge der Kapitalerhöhung sinken.

Die schwerste Aufgabe Pratos besteht jedoch darin, überhaupt einen Käufer für Alitalia zu finden. Die Regierung hatte ihre Anteile im Frühjahr zum Verkauf ausgeschrieben. Doch das Bieterverfahren zog sich länger hin als erwartet und scheiterte in der vergangenen Woche endgültig, als sich mit der italienischen Air One auch der letzte Kandidat zurückzog. Die Interessenten nannten die von der Regierung gesetzten Bedingungen als Grund für ihren Rückzug. Als hinderlich wurden vor allem die Zusagen an Mitarbeiter und Gewerkschaften angesehen.

Noch ist unklar, wie genau die neuen Bedingungen aussehen werden. Als mögliche Interessenten werden aber nach wie vor unter anderem Air France-KLM, Air One sowie Lufthansa gehandelt. Air France-KLM hatte vor einem halben Jahr Gespräche sogar offiziell bestätigt, sich dann aber zurückgezogen. Die Franzosen sollen bereits wieder den Kontakt zu den Gewerkschaften suchen. Air One selbst nannte neue, bessere Konditionen als Bedingung für ein neues Interesse. Von einer Lufthansa-Sprecherin hieß es gestern nur: Kein Kommentar. Dass sich die Bedingungen schon „in fantastischer Weise ändern“ müssten, damit die Lufthansa zugreife, hatte Lufthansa-Finanzvorstand Stephan Gemkow erst in der vergangenen Woche gesagt. Alitalia hat im vergangenen Jahr mehr als 600 Mill. Euro verloren und hat derzeit noch 612 Millionen Euro Liquidität.

Die Ernennung von Prato zum neuen Alitalia-Präsident wurde positiv aufgenommen – und zwar sowohl von Arbeitnehmer- als auch von der Kapitalseite. Die Wahl Pratos sei ein Zeichen der „Stabilität und beruhigt das Umfeld“, sagte Fabio Berti, Präsident der Pilotengewerkschaft Anpac. Die Piloten schätzen den bisherigen Präsidenten der Staatsholding Fintecna als Branchenkenner. Fintecna hält 51 an AZ Service, in die das Bodengeschäft der Alitalia ausgegliedert ist. „Prato ist ein Mann aus der Branche, deshalb müsste der Markt seine Nominierung honorieren“, sagte ein Analyst. Doch die Marktteilnehmer sahen das gestern anders: Der Aktienkurs von Alitalia, der in den vergangenen Tagen in der Hoffnung auf einen Sanierungsplan wieder zugelegt hatte, verlor gestern mehr als vier Prozent.

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