Sanierungsprogramm
Arcandor geht ans Eingemachte

Der angeschlagene deutsche Touristik- und Handelskonzern Arcandor will mit einem harten Sanierungsprogramm erreichen, dass er an neue Finanzmittel kommt. Dem Vernehmen nach will der Konzern zusätzliche Kredite bis zu 800 Millionen Euro und eine Kapitalerhöhung möglich machen.

HB ESSEN. Die Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag" berichtete, der Aufsichtsrat solle auf einer kurzfristig einberufenen Sitzung am morgigen Sonntag den Plänen zustimmen. "Als Alternative bereitet der Vorstand die Einleitung eines Plan-Insolvenzverfahrens vor", zitiert die Zeitung Bankenkreise.

Dem Bericht zufolge will sich der Essener Mischkonzern (Thomas Cook, Quelle, Karstadt) im Warenhausbereich auf das mittlere Preissegment konzentrieren und sich von Edelkaufhäusern wie KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München trennen. Außerdem sollen demnach Standorte geschlossen und in der Versandhandelssparte Primondo (Quelle) Stellen abgebaut werden. Ein gemeinsamer Einkauf von Versandhandel und Warenhäusern solle zu Einsparungen von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr führen.

Konzernchef Karl-Gerhard Eick habe die Restrukturierungspläne diese Woche mit den wichtigsten Kreditgebern besprochen, darunter RBS, BayernLB, Commerzbank und KfW. Die Banken hätten Diskussionsbereitschaft signalisiert. Hauptaktionäre wie das Bankhaus Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz seien zu einer "namhaften Kapitalerhöhung" bereit, schreibt die Zeitung weiter. In Bankenkreisen hieß es dazu, die Institute würden auf eine Kapitalerhöhung dringen; der Ball liege jetzt beim Unternehmen. Die Banken warteten auf Entscheidungen.

Ein Unternehmenssprecher sagte dazu der Agentur AP, Eick habe auf der Hauptversammlung am 18. März ein Konsolidierungsprogramm für die Arcandor AG angekündigt. "Das wird derzeit erarbeitet und rechtzeitig vor der anstehenden Finanzierungsrunde veröffentlicht", hieß es in der Erklärung. Es gebe Gespräche auf politischer Ebene, um staatliche Förderprogramme auszuloten.

"Entscheidungen dazu sind noch nicht gefallen. Und natürlich sind wir im Gespräch mit den Banken, was die Refinanzierung angeht. Zu weiteren Spekulationen werden wir uns derzeit jedoch nicht äußern", hieß es.

Eick, ehemals Finanzchef der Telekom, hatte die Führung von Arcandor im März von Thomas Middelhoff übernommen. Der neue Chef hatte von Beginn an erklärt, die operative Entwicklung müsse deutlich besser werden. In einer Mitarbeiterzeitung wurde er unlängst mit den Worten zitiert: „Ohne die Unterstützung der Finanzwelt, der Banken, wird dieses Unternehmen nicht bestehen können.“

Die Wirtschaftskrise hat die Probleme von Arcandor verschärft, denn der gesamte Einzelhandel klagt über die Zurückhaltung der Kunden. Anders als Arcandor winken die Konkurrenten Douglas und Metro bei der Frage nach öffentlichen Geldern derzeit aber ab. Ein Metro-Sprecher sagte der „Euro am Sonntag“: „Es gibt für uns keine Notwendigkeit, über Staatshilfen nachzudenken.“ Douglas hatte sich zuletzt ähnlich geäußert.

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