Sanktionen nach MH17-Unglück
Der drohende Wirtschaftskrieg mit Russland

Die USA drängen Europa, schärfere Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu verhängen. Bereits jetzt leiden deutsche Unternehmen – und das Russland-Geschäft wird auf absehbare Zeit schwieriger werden.
  • 32

DüsseldorfDer Chef der Tengelmann-Gruppe zeigt sich gelassen angesichts des angespannten Verhältnisses mit Russland. Aus den derzeit 22 Baumärkten der Tochtergesellschaft Obi könnten in den kommenden Jahren „50 oder auch 100 werden“, so Karl-Erivan Haub in einem Interview mit der „Welt“. Es sei gut, dass vielfältige Handelsbeziehungen zu Russland bestünden. „Einen Nachbarn, den man kennt und mit dem man ab und zu einen Kaffee trinkt, den zeigt man nicht gleich an, wenn ‚mal der Baum über den Zaun kracht‘.“

Dennoch hat die Europäische Union schrittweise Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt – zunächst eher symbolisch nach der Annexion der Krim. Kurz vor dem Abschuss der Malaysia-Airlines-Boeing (Flug MH17) über der Ostukraine waren sie dann leicht verschärft worden (EU-Durchführungsverordnung 753/2014). Nach der Flugzeugkatastrophe haben die Gespräche über eine deutliche Ausweitung der Sanktionen erheblich an Fahrt gewonnen. Alle „politischen und wirtschaftlichen Optionen“ lägen auf dem Tisch, so der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte am Montag.

Schon jetzt leiden deutsche Unternehmen unter den ersten Beschränkungen. Betroffen sei davon in etwa jedes vierte deutsche Unternehmen, das im Ausland aktiv ist, so DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Besonders stark treffe es Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen sowohl zu Russland als auch zu den USA unterhielten. Diese müssten nun fast alle laufenden Geschäfte auf Vereinbarkeit mit den Sanktionsvorschriften hin prüfen. Eine besondere Herausforderung: Die unterschiedlichen Vorgaben der EU und der Amerikaner müssen von den Firmen eingehalten werden.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), sagt weitere – auch wirtschaftliche – Sanktionen gegen Russland voraus. Die USA drängen die Europäer zu einem deutlich schärferen Vorgehen nach dem MH17-Abschuss. „Wir versuchen, unsere europäischen Freunde zu überzeugen, dass sie dies als Weckruf erkennen“, so US-Außenminister John Kerry in einem Fernsehinterview. Die USA sind bereits deutlich über die EU-Restriktionen hinaus gegangen und haben die langfristige Finanzierung einiger russischer Rohstoff- und Finanzunternehmen untersagt (Vollständige Liste des US-Finanzministeriums, Website mit Erläuterungen).

Großbritanniens Premierminister David Cameron habe Russlands Präsident Wladimir Putin am Sonntagabend in einem Telefongespräch deutlich gemacht, dass Putin seinen Kurs ändern und bei der Stabilisierung der Ostukraine mithelfen müsse, sagte eine Regierungssprecherin in London. Cameron habe damit gedroht, dass die Außenminister der EU-Staaten am Dienstag angesichts der russischen „Untätigkeit“ schärfere Sanktionen beschließen könnten.

Seite 1:

Der drohende Wirtschaftskrieg mit Russland

Seite 2:

Große Abhängigkeit von russischem Erdgas

Kommentare zu " Sanktionen nach MH17-Unglück: Der drohende Wirtschaftskrieg mit Russland"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Und Drohnenkrieger Obama (oder alternativ die Bezeichnung von P.C. Roberts), der Menschen hinterhältig umbringen lässt, ist Ihnen dann natürlich auch eine Trillion mal lieber.
    In meiner persönlichen Auffasung von Gerechtigkeit ist übrigens Obama ein Kanditat für den Internationalen Gerichtshof in Den Haag...

  • "Setzen, SECHS MINUS !!!!"

    Hey, es ist doch nicht *mein* Problem, wenn Du an so einen Blödsinn glaubst. :-) Du wirst damit belächelt, nicht ich... ;)

  • Das besonders Perfide ist auch noch, dass mit den ehemaligen "Schlächtern" vom Tienamen-Platz in China nach einer kurzen (den eigenen Bürgern als Strafmaßnahme der "freien westlichen Welt" verkauften) Sanktionspause neben D natürlich auch die City und die USA nun wieder vortreffliche Geschäfte machen (und z.B. westliche Unternehmen den Chinesen sogar Software zur noch lückenloseren Überwachung der eigenen Bürger verkaufen).
    Jetzt bemühen die Transatlantiker also die massenpsychologische (ich empfehle in meinen Beiträgen dazu immer wieder Gustave Le Bon: den studierte nämlich bereits Goebbels ausgiebig) Wirkung des "Good Guy" (Obama) - "Bad Guy" (Putin).
    Selbstverständlich wird hier unterschlagen, dass Dronenkrieger (Paul Craig Roberts nennt ihn sogar Drohnenmörder) Obama NACHWEISLICH mehr Menschen hat umbringen lassen als Putin.
    Wenn man nicht selbst doch irgendwie involviert wäre, könnte man diese perfide Massenpsychologie sogar mit höchstem wissnschaftlichen Interesse malganz rational einfach nur analysieren...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%