Saturn & Co. reagieren auf Online-Attacken
Der Einzelhandel schlägt zurück

Wenn es um das Onlinegeschäft ging, beschränkte sich der Einzelhandel lange nur auf eigene Webseiten. Doch die Grenzen zwischen Internet und Fußgängerzone verschwimmen immer mehr – nicht nur für die stationären Händler.
  • 7

DüsseldorfSelbst ist der Kunde: Wer bei Saturn künftig online bestellen will, muss nicht mehr zu Hause auf den Postboten warten, sondern kann sein Paket selbst in der Filiale abholen, 24 Stunden am Tag. Zumindest in Ingolstadt. In seinem modernisierten Markt wird der Elektronikfachhändler am Mittwoch eine Abholstation eröffnen, an der der Kunde rund um die Uhr seine Bestellungen aus einem Schließfach entnehmen kann.

Die Idee ist nur eine der Neuerungen, mit denen die Metro-Tochter die Grenzen zwischen Onlinehandel und stationären Geschäft verschwimmen lässt: In den Eingangshallen entsteht ein Servicebereich, an jedem Regal soll ein Tablet zu finden sein, das online zeigen soll, was stationär möglicherweise nicht zu finden ist. Die neuen Ideen werden vorerst nur in Ingolstadt ausprobiert. Doch das Signal ist deutlich: Der Einzelhändler wehrt sich gegen die Dominanz von Onlinegiganten wie Amazon.

„Noch stärkerer Fokus auf das Einkaufserlebnis“

Mit seinem Aktionismus ist Saturn nicht alleine. Einzelhändler und Internet, das war lange einseitiger Kampf. Amazon gegen den Rest der Handelswelt, sozusagen. Zwar finden sich auch die Einkaufsläden in der Fußgängerzone längst mit eigenen Webseiten im Internet wieder oder mit eigenen Apps auf dem Smartphone, doch die Aufteilung für den Konsumenten war klar getrennt: entweder online oder stationär einkaufen.

Dieses Verständnis von Online- und Offlinehandel bricht immer stärker auf. Neudeutsch nennt sich dieses Konzept Cross Channel, es soll das Angebot im Internet mit dem stationären Geschäft verbinden. QR-Codes, mobiles Bezahlen und Coupons via Smartphone sind einige Beispiele dafür, wie der Handel versucht, die Smartphone-Generation in das eigene Geschäft zu locken.

Gleichzeitig fokussieren sich Händler immer stärker auch darauf, ihre eigenen Stärken auszuspielen: das Erlebnis am Einkauf an sich. „Event-Shopping“ heißt das in der Fachsprache, Beispiele dafür sind Einkaufszentren oder besondere Outlets wie in Bad Münstereifel. Bei Saturn klingt das so: „Für die Märkte bedeutet dies insbesondere einen noch stärkeren Fokus auf das Einkaufserlebnis“, sagte Bernd Brückner, Bereichsleiter der Expansion bei Saturn, einer Mitteilung zufolge. Zum Einkaufserlebnis gehört zum Beispiel auch eine Lounge, in der die Konsumenten auf eingebauten Tablets kostenlos im Internet surfen oder ihre Smartphones aufladen können.

Der Wandel ist dringend notwendig, wie eine Studie der Münchner Beratung Dr. Wieselhuber & Partner im April zeigte. Die Untersuchung nannte konkrete Bereiche, in denen der Wettbewerb immer intensiver werde – vor allem bei Büchern, DVDs, Elektronikartikeln und Spielzeug sei dies der Fall. Kein Wunder: Viele Händler haben das Internet lange unterschätzt. Saturn beispielsweise ging erst 2011 mit einer eigenen Webseite ins Netz.

Gerade noch rechtzeitig: Nach Angaben des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel kommt mittlerweile jeder zehnte Einkauf per Post. Der Onlineanteil hat sich zwischen 2010 und 2013 verdoppelt. Noch vor vier Jahren machten die Händler lediglich 4,1 Prozent ihres Umsatzes online, im vergangenen Jahr waren es 8,1 Prozent. Das insolvente Unternehmen Weltbild oder die kriselnden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof bekommen diesen Wandel verstärkt zu spüren. Neue Ideen braucht der Einzelhandel.

Seite 1:

Der Einzelhandel schlägt zurück

Seite 2:

Eine Art Testmarkt für das Bundesgebiet

Kommentare zu " Saturn & Co. reagieren auf Online-Attacken: Der Einzelhandel schlägt zurück"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer soll das fachkundige Personal bezahlen, wenn sich Endkunde beim noch vorhandenen Fachhandel beraten lässt und danach nur zum billigsten Preis einkauft? Stimmen die Bewertungen im Internet wirklich? Durch den vermeintlichen billigen Einkauf graben wir uns selbst das Wasser ab. Meine Devise: Gute Beratung zum günstigen Preis, so kann die Wirtschaft = unser Einkommen, überleben.

  • Das ist eine sinnvolle Einrichtung. Ständig auf den Postboten warten ist reine Zeitverschwendung. Außerdem erspart dies Energiekosten.

    Tatsächliches fachkundiges Personal gibt es sowieso nur noch sehr sellten, weil es sich niemand mehr leisten kann.

  • Sie haben völlkommen recht.

    Das Einkaufserlebnis beim Online-Einkauf besteht ja auch darin, dass Sie im Internet vorher recherchieren, Testberichte lesen, technische Spezifikationen beurteilen und dann bei Amazon die Kundenbewertungen einordnen.

    Wenn dann der Artikel wider Erwartung nicht gefällt, innerhalb 30 Tagen mit dem Rücksende-Etikett ab zur Post.
    Die Gutschrift erhält man bei Amazon schon bestätigt wenn im Postamt der Scanner das Paket einliest.

    Die vielen Kundenbewertungen sind viel wertvoller als die manchmal arglistigen Beteuerungen der Verkäufer.

    Also unter dem Aspekt ist zur Zeit kein Kraut gegen Amazon gewachsen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%