Schenker
Die Bahn bekräftigt ihre globalen Ambitionen

DB-Schenker-Chef Karl-Friedrich Rausch hat ambitionierte Pläne: Er will Europas Schienenverkehr besser vernetzen und in die weltweiten Speditionsdienstleistungen eingliedern. Mit ihrer europäischen Strategie will sich die Transportsparte der Bahn als weltweit operierender Logistikdienstleister etablieren.

BERLIN. Die Deutsche Bahn will das Rad nicht zurückdrehen. Trotz der Krise hält sie an ihren ambitionierten Plänen fest, sich zum weltweit operierenden Logistik-Dienstleister zu profilieren. Das stellte jetzt der neue Transport- und Logistikvorstand Karl-Friedrich Rausch klar. Nachdem der seit Mai amtierende Konzernchef Rüdiger Grube auf Grund der schweren Einbrüche im Transportmarkt dem Unternehmen nach der Ära Mehdorn zunächst Konsolidierung statt Expansion verordnet hatte, erläutert sein oberster Logistiker: "Natürlich müssen wir in dieser Krise flexibel reagieren, doch unsere globale, langfristige Strategie steht nach wie vor unverändert."

Das Haupt-Augenmerk liege aber auf dem Markt Europa, verdeutlichte Rausch in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. "Hier sind wir die Nummer eins, und das wollen wir bleiben." Nach den Einkaufstouren der letzten Jahre "wollen wir unser europäisches Netzwerk konsolidieren und jetzt die Synergien schöpfen, in die wir investiert haben", betonte der Bahn-Vorstand.

Der Grundgedanke, über alle Verkehrsträger hinweg europäisch aufgestellt zu sein, erweise sich gerade in der Krise als richtig. "Wir können jetzt die Stärke des europäischen Verbundes voll ausspielen", meinte Rausch und erläuterte das am Beispiel der kürzlich vollzogenen Übernahme der polnischen Güterbahn PCC Logistics. Derzeit würden einige Loks und Güterwagen, die in Deutschland wegen der dramatisch geschrumpften Transportvolumina nicht im Einsatz sind, nach Polen transferiert, wo der Markt noch stärker lebt.

Kalt erwischt wurde die Logistiksparte der Bahn von der Krise in Großbritannien. Bei der Tochter DB Schenker Rail UK, der von den Deutschen gekauften Güterbahn EWS, musste Personal abgebaut werden. "Das haben wir ganz anders steuern können als in Deutschland", sagte Rausch. Denn anders als die deutschen Beschäftigten waren die britischen Eisenbahner nicht durch ein Beschäftigungsbündnis mit den Gewerkschaften geschützt.

Vergleichbare Aktionen würden in Frankreich nicht folgen. Die dort angesiedelte Tochter Euro Cargo Rail, die von der französischen Staatsbahn SNCF zwar bereits nach Äußerungen des französischen Bahnchefs Guilleaume Pépy als ernst zu nehmender Wettbewerber betrachtet wird, sieht Rausch bislang als kleines Start-up-Unternehmen: "Da bauen wir erst auf, derzeit natürlich auf niedrigem Niveau."

Mit dem Einstieg in Polen seien die Pläne der europäischen Expansion zunächst abgeschlossen. Lediglich in Südosteuropa sieht Rausch "noch weiße Flecken auf der Landkarte". Verstärkt werde die Güterbahn DB Schenker Rail versuchen, dort ins Geschäft zu kommen. "Aber dafür brauchen wir dort nicht unbedingt Akquisitionen. Wir können uns auch so im Wettbewerb behaupten. Das haben wir schon geübt, anders als viele unserer Konkurrenten."

Eher zurückhaltend sieht der Bahn-Konzern die Möglichkeiten weiter ostwärts. Der noch von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn vorangetriebene Aufbau einer Containerzug-Linie aus China über die Transsibirische Eisenbahn nach Westeuropa ist für den Logistikchef angesichts des Frachtratenverfalls auf dem Seetransport kein Thema. "Wir haben aber bewiesen, dass ein solcher Containerzug machbar ist. Sobald die Transportpreise steigen und wir ein Aufkommen von wenigstens hundert bis zweihundert Container pro Woche haben, dann kann der Zug schnell wieder fahren."

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