Schiedsurteil
Märklin-Berater Alix soll 14 Millionen Euro zahlen

Für die amerikanische Unternehmensberatung Alix Partners war der Modellbahnhersteller Märklin ein Prestige-Projekt. Doch dann ging das Traditionsunternehmen pleite. Nun wird neu abgerechnet.
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GöppingenDie Insolvenz des Göppinger Modellbahnherstellers Märklin hat ein überraschendes Nachspiel. Alix Partners, die Unternehmensberatung, die den Investor Kingsbridge beim Kauf von Märklin beriet, soll gut 14 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Dies ist das Urteil des Schiedsgerichts, vor dem sich die beiden Parteien seit rund zwei Jahren streiten, erfuhr das Handelsblatt (Dienstagausgabe) aus Unternehmenskreisen. In der Urteilsbegründung ist als Grund für die Entscheidung die mangelhafte Buchprüfung (Due Diligence) durch Alix vor dem Einstieg des Investors genannt. Kingsbridge wollte ursprünglich 30 Millionen Euro Schadenersatz von Alix haben.

Nach Auskunft des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) ist es das erste Urteil seiner Art, das in Deutschland je gegen eine Unternehmensberatung gefällt wurde. „Üblicherweise werden Streitigkeiten anders geregelt“, sagt BDU-Sprecher Klaus Reiners. Sein nüchternes Fazit: „Das zeigt, wie wichtig es im Sanierungsbereich ist, dass man sich auch als Unternehmensberatung gut versichert.“ Für Professor Theodor Baums, den Corporate Governance Experte an der Universität Frankfurt, ist die Entscheidung bei Märklin ein Signal. „Das Urteil könnte eine heilende Wirkung haben“, sagt Baums.

Alix will beim Oberlandesgericht München eine Aufhebung des Schiedsspruches erreichen. „Wir akzeptieren den Verlauf des Verfahrens und den Schiedsspruch nicht und haben ihn angefochten“, teilte Alix auf Anfrage des Handelsblattes mit. „Wir sind vollkommen überzeugt von der Qualität unserer Arbeit und werden weiterhin unsere Position mit aller Vehement verteidigen.“

Kingsbridge wollte sich auf Anfrage nicht äußern, auch der Vorsitzende Richter des Schiedsgerichts, Walter Eberl von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek, lehnte einen Kommentar ab.

Der weltgrößte Modellbahnbauer Märklin war bis 2006 in Familienbesitz, stand aber zu diesem Zeitpunkt vor der Insolvenz. Der Finanzinvestor galt als Retter und verkündete Ende 2007 gemeinsam mit Alix eine gelungene Sanierung. Erst später wurden die echten Geschäftszahlen bekannt. 2006 bis 2008 schrieb Märklin einen Konzernverlust von 13,6 Millionen, dann 16,6 Millionen. und schließlich 21 Millionen Euro. 2009 musste Märklin kurz vor seinem 150. Firmenjubiläum Insolvenz anmelden. Alix-Berater Ulrich Wlecke hatte Märklin nur ein Jahr zuvor als „Musterfall einer gelungenen Restrukturierung“ bezeichnet. Zuvor waren fast acht Millionen Euro an Alix geflossen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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