Schielt Frankfurt weiter nach London?
Deutsche Börse steht vor schwieriger Partnersuche

Die Suche nach einem neuen Partner wird für die Deutsche Börse nach dem erneut gescheiterten Kauf der Londoner Börse LSE schwierig. Im Blickpunkt stehen nach Einschätzung von Analysten neben der Schweizer Börse (SWX) die Handelsplätze in Madrid und Mailand.

HB FRANKFURT. Einige Experten rechnen aber damit, dass die Deutsche Börse insgeheim weiter auf die LSE schielt. „Andere Börsen in Europa wie die SWX oder die Borsa Italiana haben zuletzt angedeutet, dass sie eine Verbindung mit London bevorzugen“, schrieb Merrill-Lynch-Analyst Philip Middleton am Dienstag in einer Studie. Da die LSE-Übernahme durch Frankfurt nicht mehr aktuell sei, werde es nun schwierig für die Börse. Für Johannes Thormann, Analyst bei der WestLB, rückt die SWX in den Blickpunkt der Frankfurter: „Ich denke, die SWX ist wegen der existierenden Partnerschaft der wahrscheinlichste Partner.“ Die SWX und die Börse betreiben gemeinsam die Terminbörse Eurex. Indes pochten die Schweizer am Dienstag auf ihre Unabhängigkeit. „Unsere Doktrin ist, dass wir unabhängig bleiben wollen“, sagte ein SWX-Sprecher.

Die Deutsche Börse hatte ihr Kaufangebot für die Londoner Börse (LSE) über insgesamt zwei Milliarden Euro unter dem Druck der eigenen Aktionäre zurückgezogen. Damit scheiterte Börsenchef Werner Seifert bereits zum zweiten Mal an einem Kauf der LSE. Die Börse will die angesparten Mittel für den Kauf in dreistelliger Millionenhöhe nun zumindest zum Teil an die Anteilseigner ausschütten. Die LSE, die das Gebot der Deutschen Börse stets als zu niedrig ablehnte, will jetzt mit der Vierländerbörse Euronext verhandeln. Diese hatte zwar Interesse bekundet, aber keinen Preis genannt.

Oppenheim-Analyst Martin Praum geht davon aus, dass ein Bieterwettkampf zwischen der Börse und der Euronext um die LSE bald wieder auf der Tagesordnung stehen wird. Schließlich setze der fallende LSE-Kurs das Management der Londoner Börse unter Druck. „Die Euronext wird noch abwarten, um erhöhten Druck auf den LSE-Aktienkurs und das Management auszuüben. Dann geht irgendwann die Diskussion um den Wert der LSE wieder los, nur auf einem niedrigeren Niveau“, sagte Praum.

Begrenzte alternativen

Börsenchef Seifert stünde vor schwierigen Verhandlungen, sollte sich sein Blick auf die meistgenannten Übernahmeziele richten. Da die Handelsplätze in Mailand, Madrid und Zürich noch nicht selbst an der Börsen notiert sind, spielen für die Eigner - zumeist Banken und Wertpapierhändler - lokale Befindlichkeiten eine große Rolle. Daran war auch der erste Versuch der Übernahme der LSE vor fünf Jahren gescheitert, die damals noch nicht an der Börse notiert war.

Obwohl eine SWX-Übernahme durch die Deutsche Börse 2004 am Widerstand der mächtigen Schweizer Banken scheiterte, rechnet Analyst Thormann demnächst mit einer Annäherung der Züricher an Frankfurt. „Der Gewinnanteil der SWX an der Eurex ist zuletzt gesunken und der Kassamarkt läuft nicht so gut. Wenn die Banken merken, dass der Gewinn weiter sinkt, könnten sie sich das schnell anders überlegen“, sagte er. Ein Zusammengehen der SWX mit der Euronext oder LSE wäre aus seiner Sicht problematisch, da sie Schweizer dann wohl ihren Eurex-Anteil abgeben müssten. Die SWX erhält laut Vertrag mit der Börse in diesem Jahr nur noch 15 Prozent der Eurex-Gewinne, fünf Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr.

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