Schienenlogistiker VTG
Waggonvermieter rollt in die USA

Europas führender Güterwagenvermieter wagt den Sprung über den Atlantik. Der Schienenlogistiker VTG, seit Ende Juni in Frankfurt börsennotiert, kauft einen mittelständischen Waggonvermieter in Texas. Das Eintrittstor in den attraktiven nordamerikanischen Markt.

DÜSSELDORF. Anfang 2008 will der Konzern, der europaweit fast 50 000 Güterwagen an Bahngesellschaften und Verlader vermietet, die Texas Railcar Leasing Company übernehmen. Das Familienunternehmen verfüge über eine Flotte von rund 1 000 Güterwagen, die bei einer Auslastung von 95 Prozent zwischen Kanada, den USA und Mexiko unterwegs sind.

"Die Übernahme ist für uns ein wichtiger strategischer Meilenstein, um unsere Kernkompetenz in der Waggonvermietung über Europas Grenzen hinaus weiter auszubauen“, sagte VTG -Vorstandschef Heiko Fischer. Ziel sei es, im US-Bahnmarkt durch weitere Akquisitionen "einen spürbar größeren Marktanteil“ zu erzielen. Konkret wollte sich der VTG -Chef zu weiteren Übernahme-Absichten nicht äußern. Die Zeit für ein Investment in den Staaten sei angesichts des Dollarkurses und der rückläufigen Konjunktur jetzt zwar antizyklisch, aber deshalb auch günstig, betonte er. Mit ihrer Sparte Tankcontainer-Logistik sei die VTG bereits seit Jahren in den USA vertreten.

Der Einstieg jenseits des Atlantiks sei eine "gute Idee“ sagt Branchenexpertin Maria Leenen, Geschäftsführerin der Beratungsfirma SCI-Verkehr. Beim Thema Fahrzeug-Leasing könne ein europäisches Unternehmen für den Heimatmarkt und für weitere Expansionen eine Menge lernen. Der Schienengütermarkt in den USA verheißt amtlichen Untersuchungen zufolge bis 2011 jährliche Wachstumsraten von über drei Prozent. Auf den kontinentalen Langstrecken profitieren die Bahnen von Kostenvorteilen gegenüber dem LKW.

Bisher gingen Investitionen in den Bahnmarkt nur in Richtung Europa: So war auch VTG im Jahr 2005 von Tui an den US-Finanzinvestor WL Ross verkauft worden, der dann den in Europa boomenden Markt im Zuge des Börsenganges für einen Teilausstieg nutzte. Auch andere amerikanische Unternehmen sind in das Geschäft mit Güterwagen und Tankcontainern bei Fahrzeugvermietern eingestiegen.

In den USA seien die Marktstrukturen anders als in Europa. Es gebe bei einem Bestand von weit mehr als einer Million Güterwagen "mehrere hundert“ Vermiet- und Leasinggesellschaften, sagte Fischer. Angesichts der großen Entfernungen in Nordamerika würde auch die Industrie große eigene Wagenparks unterhalten. Die lange Fahrt bis zum Ziel ersetze eine stationäre Lagerhaltung.

Die außereuropäische Expansion sei erst durch den Börsengang möglich geworden, sagte Fischer. Erst dieser habe die dafür erforderliche Kapitalausstattung gegeben. Im Hinblick auf Expansionen in Osteuropa und Russland erklärte Fischer, dies sei ebenfalls interessant, doch der "Einstieg auf kleiner Flamme im rechtssicheren Raum USA“ sei für das Unternehmen derzeit noch leichter zu realisieren.

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