Schienenverkehr
Wartungsgeschäft lockt die Zughersteller

Die technische Betreuung von Loks und Waggons machen Bahnen meist selbst. Doch die Industrie will nun an diesem Geschäft mitverdienen. Studien zeigen, dass der Markt großes Potenzial hat: Weltweit werden im Jahr derzeit rund 50 Milliarden Euro mit Dienstleistungen für Züge verdient, zudem wächst der Markt jährlich um fast drei Prozent.
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DÜSSELDORF. Der Milliardenmarkt für Schienenfahrzeuge kommt trotz Wirtschaftskrise in Bewegung. Gutes Geld wird nicht nur mit der Fertigung neuer Loks, Triebzüge und Waggons verdient. Die besseren Geschäfte lassen sich mit den Dienstleistungen im täglichen Betrieb machen - vor allem mit Wartung und Instandhaltung, wie eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Oliver Wyman ermittelte. "Die höchsten Profite im Markt für Schienenfahrzeuge liegen heute im Bereich Dienstleistungen und After Sales, nicht in der Fertigung", heißt es in der dem Handelsblatt vorliegenden Untersuchung, für die europaweit Top-Manager befragt wurden.

Mit Dienstleistungen für Züge werden im Jahr derzeit etwa 50 Mrd. Euro verdient, so die Studie. Zudem wachse der Markt jährlich um 2,8 Prozent - und damit bis 2020 auf etwa 70 Mrd. Euro. Das werde neue Spieler locken: "Neue Wettbewerber stehen bereits in den Startlöchern und erhöhen den Druck auf etablierte Player", resümieren die Wyman-Experten. Weltweit werden derzeit etwa sechs Mio. Schienenfahrzeuge eingesetzt. Neben Wartung und Instandhaltung geht es auch um Geschäfte wie Fahrzeugvermietung und Leasing oder Reinigung.

"Das Thema Dienstleistungen ist für die Industrie von großem Interesse, wir erwarten gute Wachstumsimpulse", bestätigte Roland Pörner, Geschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland (VDB). Für die Branche kommen positive Perspektiven gerade recht: Erst im Oktober klagte der Verband über krisenbedingte Auftragsrückgänge für die deutschen Unternehmen von 23 Prozent auf 4,7 Mrd. Euro im ersten Halbjahr.

Nach Brancheneinschätzung wird das globale Bahntechnikgeschäft aber weiter wachsen. Die neue Weltmarkt-Studie der Unternehmensberatung SCI Verkehr, die heute auf dem Kongress "Rail" in Dortmund vorgestellt wird, beziffert den Gesamtmarkt Bahntechnik - neben Fahrzeugen die Infrastruktur - auf 128 Mrd. Euro, bei jährlichen Steigerungen von vier Prozent. Dabei lägen Fertigung und Dienstleistung vom Auftragsvolumen her schon gleich auf.

Laut Wyman-Studie machen Wartung und Instandhaltung gut 70 Prozent des Dienstleistungsmarktes rund um Schienenfahrzeuge aus. Allerdings besorgen viele Bahnen dieses Geschäft selbst. "Im Heimatmarkt passiert wenig, weil die Deutsche Bahn als größter Player Wartung und Instandhaltung als Kerngeschäft ansieht", sagt Pörner.

Im Ausland gewinnen die deutschen Konzerne jedoch schon neue Dienstleistungsaufträge. "Wir sehen einen wachsenden Bedarf im internationalen Geschäft", sagte ein Siemens-Sprecher. Die Sparte Mobility übernehme beispielsweise in Großbritannien für von ihr gelieferte Nahverkehrstriebzüge die Wartung und Instandhaltung. Auch die nach Russland gelieferten Hochgeschwindigkeitszüge "Velaro" werden für 30 Jahre von dem Konzern betreut. Das diene der Sicherung des Geschäfts im Ausland - zumal derartige Anschlussaufträge vom Volumen her die Verkaufspreise meist überschritten.

"Komplettpakete, die von Fahrzeug-Konstruktion und-bau über Zulassung bis zu Wartung und Instandhaltung reichen, bieten klare Vorteile", ergänzte ein Sprecher des Siemens-Konkurrenten Bombardier Transportation. "Die Technik wird von der Konstruktion der Fahrzeuge bis zu ihrer Wartung von Anfang bis Ende aus einer Hand betreut, Schnittstellen entfallen. Wir rechnen deshalb mit weiterem Wachstum." Im deutschen Markt sind solche Lösungen bisher aber eher die Ausnahme.

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