Schiffahrtsunternehmen
EU kassiert Preisabsprachen auf See

Den europäischen Schifffahrtsunternehmen droht ein schärferer Preiswettbewerb, der zu weiteren Ertragsproblemen unter anderem bei Tui führen könnte. Wie am gestrigen Dienstag aus Kreisen der Europäischen Kommission verlautete, will der EU-Ministerrat Reedereien ab 2009 nicht mehr erlauben, Preise und Kapazitäten abzusprechen. Das schafft neue Probleme für die Tui-Tochter Hapag-Lloyd.

HAMBURG / FRANKFURT / BRÜSSEL. Der Beschluss soll noch im kommenden Herbst getroffen werden. Ein mit dem Fall vertrauter EU-Beamter sagte dem Handelsblatt, solche Absprachen seien nicht mehr zeitgemäß. Sie schränkten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Frachtschifffahrt erheblich ein. Studien besagen, dass ein Verbot von Absprachen, die meist in so genannten Linienkonferenzen (siehe Kasten) getroffen werden, zu sinkenden Preisen im Seefrachtverkehr führen.

Bei einem Verbot dürfte es für führende Branchenvertreter schwer werden, höhere Preise am Weltmarkt durchzusetzen. „Der Preiswettbewerb unter den Reedern wird sich deutlich verschärfen. Dies kommt vor allem den Kunden zugute“, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums.

Den Tui-Konzern trifft das besonders hart. Tui hatte die Investoren kürzlich mit einer Gewinnwarnung geschockt. Der Konzern begründete diese mit überraschend gesunkenen Frachtraten bei der wichtigsten Tochter Hapag-Lloyd (HL) sowie rückläufigen Umsätzen im Tourismusgeschäft.

Der Preisdruck in der Schifffahrt sorgte dafür, dass die zuletzt so erfolgreiche HL das zweite Quartal 2006 mit einem Verlust nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) von 41 Mill. Euro beendete, nach einem Gewinn von 91 Mill. Euro ein Jahr zuvor. Auch der dänische Weltmarktführer MoellerMaersk hat bereits zweimal seine Gewinnprognosen senken müssen. HL ist die mit Abstand wichtigste Tui-Tochter. Sie hatte 2005 den kanadischen Konkurrenten CP Ships für gut zwei Mrd. Euro übernommen. Jetzt hat die Hamburger Reederei rund 130 Schiffe und beschäftigt mehr als 7 000 Mitarbeiter.

Allerdings dürften die Pläne der EU-Kommission die Reeder keineswegs überraschen. In der Luftfracht hatte die EU bereits vor einigen Jahren ähnliche Preisabsprachen unterbunden. Bei den Reedereien gilt noch eine Sondervereinbarung aus dem Jahr 1986, die die Schiffahrtskonferenzen erlaubt. Davon macht HL in der Far Eastern Freight Conference Gebrauch, zu der auch die Reedereien Nippon, APL, CMA und MISC Berhad gehören.

Offen ist noch, in welchem Umfang Tui die Abschaffung des Preiskartells belasten wird. Der Wegfall der Kartellabsprachen könne zu Preisreduzierungen „im beschränkten, aber spürbaren Umfang führen“, sagte Kay Lindemann, Abteilungsleiter des Deutschen Seeverladerkomitees im Bundesverband der Deutschen Wirtschaft.

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