Schifffahrt
Hamburg bekommt eine neue Großreederei

Zwei Hamburger Schifffahrtsunternehmen wollen eine neue Großreederei schaffen. Der Zusammenschluss von Komrowski und Erck Rickmers würde die größte Flotte in Deutschland ergeben.
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HamburgIn der deutschen Reedereilandschaft soll ein neuer Großakteur entstehen: Die Hamburger Reedereien Komrowski und Erck Rickmers wollen ihre Reedereiaktivitäten in einem Unternehmen bündeln. Der neu entstehende Reederei-Konzern Blue Star werde eine Flotte von 162 Schiffen mit einer Gesamtkapazität von 9,4 Millionen Tonnen besitzen, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Damit entstehe die nach Frachtladung größte deutsche Reederei. Der Zusammenschluss solle im ersten Quartal 2012 erfolgen, stehe aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung von Banken und Kartellbehörde.

Zunächst entsteht unter dem Dach der Blue Star eine Großreederei mit 120 Containerschiffen, 25 Frachtern, 13 sogenannten Offshore-Schiffen und weiteren vier Multifunktions-Schiffen.

Den Angaben nach will das Unternehmen weitere Reedereien als Gesellschafter gewinnen und die Flotte auf 200 bis 250 Schiffe erweitern. Es sei das Ziel, eine Reedereigruppe zu schaffen, die „aufgrund ihrer Größe im Vertrieb, in der Vermarktung und in der Finanzierung langfristig erfolgreich sein wird“, teilten die beiden Unternehmen mit. Man wolle „den Herausforderungen eines schwierigen Marktumfeldes mit einer gemeinsamen Strategie“ begegnen, erklärte Ernst Peter Komrowski, Inhaber von Komrowski.

Der harte Preiskampf auf den Weltmeeren, hohe Treibstoffkosten und dazu die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe hatten den Reedereien zuletzt arg zu schaffen gemacht. Die Bremer Beluga-Gruppe und 20 kleinere Firmen gingen wegen der sehr niedrigen Charterraten pleite. Bei Deutschlands bekanntester Containerreederei Hapag-Lloyd hatte sich der Betriebsgewinn im dritten Quartal trotz eines Sparprogramms fast halbiert.

„Die Schifffahrt ist gefordert, sich den globalen Herausforderungen anzupassen und neue, zukunftsweisende Strukturen zu finden“, betonte Nicholas Teller, Chef der Erck Rickmers Capital Holding.

Deutsche Schiffseigner unterhalten eine der größten Handelsflotten der Welt. Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) besaßen sie 2010 nahezu 3.800 Schiffe. Insgesamt litt die Branche in den vergangenen Jahren zunächst unter der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, im laufenden Jahr machten ihr nach Verbandsangaben außerdem niedrige Frachtraten massiv zu schaffen. Ausgelöst worden sei diese Entwicklung insbesondere in der Containerschifffahrt durch einen „ruinösen Kampf um Marktanteile“, hatte der VDR erst vor einigen Tagen erklärt.

Den Angaben zufolge sollen die etablierten Markennamen der bisherigen Reeder unter dem Dach der neuen Holding mit Namen „Blue Star“ erhalten bleiben. Die Erck Rickmers Capital Holding übernimmt die unternehmerische Führung, Sitz des Unternehmens soll Hamburg sein. Die Flotte der neuen Gruppe bestünde aus 120 Containerschiffen, 25 Massengutfrachtern, 13 Offshore-Spezialschiffen und einigen anderen Typen. Komrowski und Erck Rickmers sind sogenannte Charter- oder Trampreedereien, die meist nur Schifffahrtsinsidern bekannt sind. Diese Unternehmen finanzieren Schiffe, die sie an Linienreedereien wie Hapag-Lloyd weitervermieten. Ihre Schiffe fahren deshalb in aller Regel unter deren Namen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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