Schifffahrt
Immer mehr Reeder laufen auf Grund

Die weltweite Wirtschaftskrise trifft die Schifffahrt nach Jahren des Aufschwungs hart. Branchenkennern zufolge steht das Schlimmste sogar noch bevor: Eine riesige Pleitewelle bedroht die ehemalige Boombranche. Und den Teufelskreis zu durchbrechen, ist schwierig. Nun flüchten sich immer mehr Werften in Nischen.
  • 0

FRANKFURT/HAMBURG. Da der globale Handel lahmt, haben die Reedereien auf den Hauptverkehrsrouten nur wenig zu transportieren. Unausgelastete Kapazitäten drücken die Frachtraten, die bestenfalls noch die Betriebskosten decken. Unter Reedern ist es ein offenes Geheimnis, dass derzeit keine Containerlinie Geld verdient.

In ihrer Not muss sich eine ganze Reihe von Anbietern von Schiffen trennen. Für so manchen Rivalen ergeben sich dadurch wiederum gute Kaufgelegenheiten. So hat der Bremer Reeder Horst Zeppenfeld zwei Containerschiffe, die erst vor wenigen Monaten in Fahrt gekommen sind, für jeweils knapp 25 Mio. Dollar vom Schweizer Unternehmen MSC gekauft - das entspricht etwa der Hälfte des Neupreises. Branchenkreisen zufolge werden solche Deals mittels Private Equity finanziert, da andere Anleger und Banken derzeit nicht das Risiko tragen wollen, ihr Geld in Schiffsinvestitionen zu versenken. Auch Maersk-Chef Nils Andersen hat angekündigt, Kaufmöglichkeiten zu prüfen.

Das heizt hier zu Lande die Debatte um die Überlebenschancen der deutschen Anbieter an. Mit Hapag-Lloyd ist der deutsche Branchenprimus, immerhin die fünftgrößte Container-Reederei der Welt, in eine schwere Schieflage geraten. Laut Branchenkreisen wird die Reederei in diesem Jahr mehr als 900 Mio. Dollar Verlust einfahren. Nur eine Staatsbürgschaft über 1,2 Mrd. Euro und eine massive Stützung der Gesellschafter, darunter der Reisekonzern TUI und die Stadt Hamburg, sichern das Überleben des deutschen Branchenführers.

Mit der Hamburger Großreederei Döhle hat nun ein weiterer großer Marktteilnehmer angekündigt, Staatshilfe zu beantragen. Konkret geht es um ein Darlehen aus dem Deutschlandfonds der KfW zur Finanzierung von Schiffen. Auch der Hamburger Reeder Claus-Peter Offen nimmt KfW-Hilfe in Anspruch. Ist das das letzte Aufbäumen einer deutschen Traditionsbranche?

So weit will Jürgen Salamon, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Peters Gruppe, nicht gehen: "Die Schifffahrtindustrie ist das zweitälteste Gewerbe der Welt. Dem kann auch die Finanzkrise nichts anhaben", sagt er. Die Dr. Peters Gruppe ist ein Finanzdienstleister, der sich über die Tochter DS Schifffahrt auch um die Bereederung und das Management der Schiffe aus dem eigenen Fondsvermögen kümmert. Natürlich spüre man die Krise, so Salamon. Doch 90 Prozent der Waren würden über die See transportiert, und das werde auch künftig so bleiben. "Ohne die Schifffahrt ist Welthandel nicht möglich, das gilt für die Exportnation Deutschland, aber ebenso für Länder wie China oder Taiwan, die ihre Waren transportieren müssen", sagt Salamon.

Doch die Spirale des Absturzes ist unerbittlich, überall dominieren kräftige Minusraten die Bilanzen der maritimen Wirtschaft. In der Not stornieren die Reeder bereits bestellte Schiffe, was wiederum die Werften in die Bredouille bringt. Sie stehen ohnehin unter Druck, weil durch die Finanzkrise die Schiffsfonds mehr oder minder ausgefallen sind. Der Einnahmeausfall führt zu großen Wertverlusten, schlimmstenfalls müssen die Anleger sogar nachschießen. Trübsal herrscht auch in der deutschen Binnenschifffahrt. Hier ist das transportierte Volumen im ersten Halbjahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um gut ein Fünftel auf 99,6 Mio. Tonnen eingebrochen.

Seite 1:

Immer mehr Reeder laufen auf Grund

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Schifffahrt: Immer mehr Reeder laufen auf Grund"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%