Schiffstransport
Binnenschiffern fehlt die Ladung

Erstmals seit fünf Jahren werden weniger Güter mit dem Schiff auf Flüssen und Kanälen transportiert. Im Januar ist der Warentransport per Schiff ikm Verleich zum Vorjahr um 27,5 Prozent eingebrochen. Schon jetzt beginnen die Reeder zu rationalisieren. Wenn sich die Lage nicht nachhaltig verbessert, drohen Insolvenzen.

DUISBURG. Deutschlands Binnenschiffer verlieren im Zuge der Wirtschaftskrise immer mehr Wasser unter dem Kiel. „Es könnte dramatisch werden. Insolvenzen drohen, wenn die Krise über das Jahr hinaus anhält“, sagte Gunther Jaegers, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) und Inhabergeschäftsführer Europas größter Tankreederei, der Reederei Jaegers, dem Handelsblatt. Er hofft aber auf die belebende Wirkung des Konjunkturprogramms der Bundesregierung und vermehrte Transporte für die Bauindustrie. Eine Prognose für 2009 wollte Jaegers nicht wagen, rechnet aber damit, dass im Sommer der Tiefpunkt der Krise erreicht wird. Das Freiburger Marktforschungsinstitut BVU, das im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums eine Mittelfristprognose erstellt hat, rechnet mit einem Minus von fünf Prozent der Menge.

Im Januar ist die Gesamtbeförderung der 1 175 Unternehmen mit insgesamt 2 300 Schiffen und Kähnen laut Statistischem Bundesamt um 27,5 Prozent auf 15,3 Mio. Tonnen eingebrochen. In den Monaten Februar und März habe sich die Lage nicht gebessert, sagte Jaegers. Weniger stark als die Transportmenge insgesamt nahmen im Januar die Containertransporte mit 18 Prozent auf 146 000 TEU (Standardcontainer) ab. Doch machen Massengüter wie Kohle und Erze etwa 90 Prozent der transportierten Güter aus. Insbesondere im Bereich der Montan- und Chemieindustrie seien die Mengen stark zurückgegangen, sagte Jaegers. Durch die Überkapazitäten gerieten nun die Preise unter Druck.

Erstmals seit fünf Jahren haben die Binnenschiffer im vergangenen Jahr weniger Güter transportiert als im Vorjahr. Die Beförderungsmenge ist um 1,6 Prozent auf 245 Mio. Tonnen gesunken. Das ist dennoch der zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung. Laut BDB erzielen die Unternehmen mit knapp 8 000 Beschäftigten einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Partikuliere, selbstständige Schiffseigentümer, die auch selbst fahren. Sie sind meistens für größere Reedereien als Subunternehmer tätig und besitzen in der Regel ein bis zwei Schiffe. Zu den größten Reedern zählen die Duisburger Imperial mit 650 Schiffen, Rhenus mit knapp 400, Lehnkering mit 160, HTAG Häfen und Transport AG mit 90 sowie Jaegers mit 190 Schiffen. Mit einem blauen Auge davon gekommen sei bislang die Tankschifffahrt, sagte Jaegers, auf die ein Fünftel der transportierten Menge entfällt. Seine vor 90 Jahren gegründete Familienreederei steigerte jedenfalls den Umsatz 2008 um über 15 Prozent auf 250 Mio. Euro. Jaegers rechnet 2009 aber wieder mit einer Normalisierung nach der Sonderkonjunktur wegen Treibstoffknappheit.

Allgemein ist aber Rationalisierung angesagt. Die Reeder fahren derzeit den Zukauf von Schiffsraum auf dem Markt zurück, um die Kapazitäten der fest eingesetzten Partikuliere auszulasten. Gleichzeitig werden auch Schiffe stillgelegt oder zu Reparaturen in die Werft geschickt. Auch Investitionen werden gestoppt. Reederei Jaegers hat beispielsweise die Umstellung auf neue Doppelhüllentankschiffe zurückgestellt.

Gefahrgutschiffe müssen schrittweise von Einhülle auf Doppelhülle umstellen. Spätestens 2018 soll für das Gros der Einhüllenschiffe ein Fahrverbot gelten. Ohne staatliche Hilfe werde dies in der Finanzkrise nicht zu schaffen sein, meinte Jaegers. Die Rede ist von 400 bis 600 Schiffsneu- oder -umbauten. 80 bis 90 Prozent der zu ersetzenden Tankschiffe in Europa seien in den Händen von Partikulieren, denen das Eigenkapital dafür fehle. Der BDB fordert ein staatliches Bürgschaftsprogramm zur Verbesserung der Eigenkapitalseite der Schiffseigner.

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