Schiffsunglück auf dem Rhein
In Rotterdam könnte es eng werden

Durch die Sperrung des Rheins bei Köln für die Schifffahrt geraten die Logistik-Ketten durcheinander. Besonders der Verkehr auf dem Oberrhein leidet unter der Blockade. Die Häfen flussabwärts von Köln könnten dagegen profitieren.

DÜSSELDORF. „Durch die Sperrung verlieren viele Schiffe mindestens eine Reise“, sagt Erwin Spitzer, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), im Gespräch mit Handelsblatt.com. Im Schnitt würde ein Schiff 40 bis 60 Reisen im Jahr den Rhein entlang schaffen.

Welche Verluste die Sperrung der wichtigen Wasserverkehrsroute den Kapitänen einbrockt, kann der Verband der Binnenschiffer vorerst nicht beziffern. Noch ist auch unklar, wie viele Frachtkähne insgesamt nicht weiterfahren können. Bis Montagmittag mussten rund 100 Schiffe am Ufer festmachen. Etwa 80 Prozent der im Jahr 2006 auf deutschen Wasserstraßen beförderten 236 Millionen Tonnen Güter sind gänzlich oder zum Teil über den Rhein zum ihrem Zielort gebracht worden.

Gegen die erwarteten Verdienstausfälle sind die Reeder nicht geschützt. „Wenn die Schiffe still liegen müssen, ersetzt das keine Versicherung“, sagt Spitzer. Laut Spitzer decken die Policen nur physische Schäden, zum Beispiel wenn ein anderes Schiff gegen eine der versunkenen Stahlkisten prallen und dabei beschädigt würde. Verderbliche Waren seien dagegen meist versichert, so der BDB-Vertreter. Anders als auf den Autobahnen seien aber nur kleinere Teile der auf dem Wasserweg transportierten Warenlieferungen strikt termingebunden.

Die Polizei hat die Ermittlungen gegen die Besatzung der havarierten „Excelsior“ eingeleitet. „Wenn ein Schuldiger für das Unglück ausfindig gemacht werden ist, könnten die geschädigten Reeder überlegen, Schadensersatzforderungen zu stellen“, sagt Spitzer.

Der Stau auf Europas wichtigstem Verkehrswasserweg könnte auch Auswirkungen auf den Hochseeverkehr haben. Der Europoort in Rotterdam gehört zu den wichtigsten Landestellen des internationalen Seeverkehrs. „Größere Schäden für das Geschäft erwarten wir aber nicht“, sagt ein Sprecher des Verbands Deutscher Reeder (VDR) auf Anfrage von Handelsblatt.com. „Die Fracht wird einfach nur später ankommen.“

Je nach dem wie lange die Sperrung des Rheins anhält, könnte es aber in dem niederländischen Überseehafen Rotterdam eng werden. „Der Hauptwarenstrom kommt aus Asien nach Europa“, sagt der VDR-Sprecher. „Wenn die Rheinschiffe die Fracht nicht mehr abtransportieren, könnte es dort zu einem Stau bei der Entladung kommen.“ Stahlkiste auf Stahlkiste würde sich im Europoort stapeln.

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