Schimmel in Futtermittel: Der Kampf gegen den Lebensmittelpfusch

Schimmel in Futtermittel
Der Kampf gegen den Lebensmittelpfusch

Pferdefleisch in der Lasagne, Bio-Eier, die keine sind, und nun Schimmel in Futtermittel: Die Lebensmittelskandale häufen sich. Experten diskutieren, wie diese verhindert werden können – mit mehr Bio oder mehr Kontrolle?
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Düsseldorf/Hamburg/HannoverÖko-Produkte wie Bio-Milch bieten nach Expertenmeinung nur bedingt mehr Schutz vor Lebensmittelskandalen. „Ich denke, dass man vielleicht eine größere Zahl von Kontrollen hat im Bereich der ökologischen Produktion, dass aber Vorfälle auch bei Bio-Produkten nicht verhindert werden können“, sagte Professor Michael Kühne von der niedersächsischen Kontrollbehörde Laves der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Derzeit versuchen die Behörden zu klären, welches Risiko von giftigem Tierfutter ausgeht. Hunderte Milchhöfe wurden wegen des Futters gesperrt.

Nach ersten Erkenntnissen sind Bio-Betriebe von dem Skandal um verseuchtes Tierfutter aus Serbien nicht betroffen. „Der Mais war nicht bio-zertifiziert“, sagte ein Sprecher des Hamburger Unternehmens, die verschimmelte Ware importiert hatte, der „taz.die tageszeitung“ (Samstag).

Für die Herstellung von Bio-Produkten gelten andere Regeln als bei der herkömmlichen Agrarindustrie. So unterliegen beispielsweise schon die Futtermittel für Bio-Tiere anderen Vorgaben. „Kontrollen gibt es mehr, das sicher“, sagte Laves-Experte Kühne. Die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme schneller offensichtlich werden, „ist also möglicherweise größer“. Die Öko-Produktion sei aber nicht grundsätzlich weniger anfällig. Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied forderte deshalb generell bessere Kontrollen der Hersteller. Um einen Befall mit Schimmelpilzen auszuschließen, müsse das Futtermittelmischwerk entsprechende Kontrollen machen, zum Beispiel Eingangskontrollen der Rohprodukte, sagte Rukwied der „Rheinischen Post“ vom Samstag. Die Landwirte, die das mit gefährlichem Schimmelpilz-Gift verseuchte Futtermittel verfütterten, treffe keine Schuld. Sie müssten davon ausgehen, dass sie Futtermittel in einwandfreiem Zustand geliefert bekämen und hätten keine Chance, einen Schimmelpilz wie Aflatoxin zu erkennen, sagte Rukwied weiter.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte die Informationspolitik der Hersteller. Im konkreten Fall habe die Firma offenbar bereits im Dezember gewusst, dass der importierte Mais aus Serbien mit dem krebserregenden Schimmelpilz verseucht war, sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt dem Radiosender NDR Info. Die Behörden seien aber nach Angaben des Unternehmens erst am vergangenen Donnerstag informiert worden.

„Das ist ein Muster, das wir aus der Vergangenheit kennen: dass die Beteiligten der Futtermittelwirtschaft sich erst dann an die Behörden wenden, wenn bestimmte Teile oder auch ganze Lieferungen von Futtermitteln nicht nur eingemischt, sondern auch verfüttert worden sind“, erklärte Wolfschmidt. Am Freitag war bekannt geworden, dass rund 10.000 Tonnen aus Serbien importierter, verseuchter Mais als Futtermittel an 3560 Betriebe mit Rindern, Schweinen und Geflügel verteilt wurden. Eine Gefährdung der Verbraucher ist nach Angaben der Behörden aber unwahrscheinlich.

Auch Kühne warnte vor Panik. So seien die bisher entdeckten Werte in dem verschimmelten und damit giftigem Futter viel zu gering, als dass daraus über den Umweg der Kuh am Ende in einer Milchtüte eine Krebsgefahr für die Verbraucher entstehe. Die menschliche Leber sei imstande, die bisher entdeckten Werte gefahrlos abzubauen.

„Nur wenn das länger geht, ist irgendwann diese Kapazität erschöpft und dann kommt es auch zu Veränderungen der Leber. Erst zu Verfettungen und dann eben auch zu Veränderungen, die bis zum Tumor gehen können“, sagte Kühne, der die Untersuchungseinrichtungen im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) leitet. Entwarnung dürfe indes niemand geben, bevor die Untersuchungen Klarheit geschaffen haben. „Die Stoffe sind giftig, ganz klar.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • WNjCLd "Bauernopfer"
    Bauernpräsident Rukwied sieht die gesperrten Milchviehbetriebe als Opfer der Futtermittelindustrie und fordert "mehr Kontrollen". Bei uns in der Gegend(MeckPomm)
    fahren die "Bauern" ihre eigene Maisernte überwiegend in die neue Biogas-Anlage. Dank der Schimmelpilzaffäre weiß ich jetz immerhin, womit die deutschen Kühe, außer mit
    EU-Subventionen, sonst noch so gefüttert werden.

  • Wie man diese Skandale verhindern kann? Eigentlich ganz einfach: Schluß mit dem ganzen Verordnungs- und Subventionsirrsinn, der von Brüssel gesteuert wird. Ohne diese Monsterorganisation wären solche Skandale schlicht nicht möglich.

  • Am besten kontrolliert jeder sein Essen selbst.
    Die Menschenfütterung ist ja inzwischen kaum noch ein Unterschied zur Tierfütterung, nur das Menschen für ihr Futter zahlen müssen und sich einige damit tatsächlich gesundes Essen kaufen können.

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