Schlappe für Hedge-Fonds: Insolvenzantrag gegen Windhorst-Firma abgelehnt

Schlappe für Hedge-Fonds
Insolvenzantrag gegen Windhorst-Firma abgelehnt

Etappensieg für Lars Windhorst. Der 31-jährige konnte einen Insolvenzantrag von Audley Capital gegen die von Windhorst geführte Investmentfirma Vatas abwehren. Der britische Hedge-Fonds hatte gegen Windhorst zuvor auch Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung erstattet. Ob Windhorst deshalb nun seinerseits wegen Rufschädigung gegen Audley Capital vorgeht, ließ der Jungmanager offen.

BERLIN. Das Amtsgericht Charlottenburg hat den Insolvenzantrag gegen die Firma von Lars Windhorst abgelehnt. Wie der Amtsrichter Carsten Gradl mitteilte, sei der Antrag von Audley Capital unzulässig. Zwar habe der britische Hedge-Fonds schlüssig dargelegt, eine Forderung von 29,4 Mill. Euro gegen die Investmentfirma Vatas zu haben, deren Geschäftsführer Windhorst ist. Vatas habe diese Forderung vor dem Landgericht Berlin aber fundiert bestritten. Das Insolvenzgericht wolle dem Zivilprozess zwischen Audley und Vatas nicht vorgreifen und lehne den Antrag deshalb ab.

Ein Audley-Sprecher sagte auf Anfrage nur, die Entscheidung komme nicht überraschend. Man werde sehen, wie im Zivilprozess entschieden wird.

Windhorst wollte die Entscheidung des Amtsgerichts im Detail nicht kommentieren. Es sei so gekommen, wie er erwartet habe, sagte der Vatas-Geschäftsführer. Die Annahme, Vatas sei insolvent, habe von Anfang an jeder Grundlage entbehrt. Ob er nun seinerseits Audley auf Schadenersatz wegen Rufschädigung verklagen werde, ließ Windhorst offen. Audley hatte nicht nur einen Insolvenzantrag gestellt, sondern Windhorst und dessen Geschäftspartner Peter Ogrisek kurz zuvor auch wegen Insolvenzverschleppung angezeigt. Dieses ungewöhnlich aggressive Vorgehen war in Finanzkreisen mit einigem Unverständnis beobachtet worden.

Der Streit zwischen Vatas und Audley geht auf misslungenes Gemeinschaftsprojekt zurück. Beide investierten zweistellige Millionenbeträge in den Altersheimbetreiber Curanum. Aktuell hält Vatas 12,2 Prozent an dem Münchener Unternehmen, Audley 9,2 Prozent. Audley aber kaufte seine drei Mill. Aktien zum Stückpreis von rund 8,50 Euro im Dezember 2007 nach eigenen Angaben nur, weil es eine Zusage von Vatas gab, dieses Paket im April zum Preis von 9,80 Euro je Aktie wieder abzunehmen. Im Hintergrund stand die Annahme, es stehe kurzfristig die Übernahme von Curanum durch einen anderen Investor bevor. Nach Informationen des Handelsblattes aus Finanzkreisen wurde hierbei ein Kurs von 12 Euro je Aktie erwartet.

Tatsächlich aber fand kein Verkauf statt und die Curanum-Aktie fiel bis zum April auf fünf Euro. Als Audley seine Option zog und die Aktien für 9,80 Euro an Vatas abgeben wollte, lehnte Windhorst ab. Daraufhin verklagte ihn der Hedge-Fonds am 10. April vor dem Landgericht Berlin. Dieses Verfahren beginnt am 30. Juli. Aktuell steht die Curanum-Aktie bei vier Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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