Schlechtes Wetter
Spargelbauern sind mit Ernte unzufrieden

Die deutschen Spargelbauern klagen zum traditionellen Saisonende am Johannistag (24. Juni) über eine schlechte Ernte. Schuld seien vor allem das launische Wetter mit einem zu kalten Saisonstart und einem zu heißen Ende sowie fehlende Erntehelfer.

HB NIENBURG/MÜNCHEN. Das hat eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa in den großen Spargelregionen ergeben. „Es gab bisher kaum ein Spargeljahr mit so vielen Höhen und Tiefen“, sagte der Vorsitzende der Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen, Dietrich Paul. Der Ertrag habe rund 15 Prozent unter dem des Vorjahres gelegen. Das Land gilt mit rund 4500 Hektar Anbaufläche als größte Spargelregion.

Auch in den insgesamt knapp 2000 Hektar großen hessischen Anbaugebieten rechnet man mit bis zu 15 Prozent weniger Spargel als in 2005. In Nordrhein-Westfalen gehen die Bauern sogar von rund 20 Prozent geringeren Erträgen als im Vorjahr aus. Nach Angaben der dortigen Landwirtschaftskammer hätte sich der Erntestart um zwei Wochen verzögert, nun könne das Edelgemüse nicht mehr vollständig abgeerntet werden.

Mecklenburg-Vorpommerns Spargelbauern müssen einen Ertrag und Umsatz von 20 Prozent unter dem Durchschnitt hinnehmen. „Es war eine ernüchternde Saison“, sagte der Geschäftsführer der Erzeugerorganisation Mecklenburger Ernte, Klaus-Dieter Wilke, in Schwerin. Den Landwirten seien durch die Kälte die stets sehr guten Preise für den ersten Spargel entgangen. In den meisten Bundesländern gab es dann in den ersten beiden warmen Maiwochen eine regelrechte Spargelschwemme, worauf wegen der drei kalten Wochen bis Pfingsten ein Erntetief mit Spargelknappheit folgte.

In Bayern liegt die Erntemenge in diesem Jahr bei 5000 bis 6000 Tonnen, schätzt der Bayerische Bauernverband in München - im Jahrhundertsommer 2003 waren es 8000 Tonnen. Auch Baden-Württembergs Spargelbauern können die Vorjahresmenge von 4900 Tonnen Stangengemüse nicht erreichen. Relativ glimpflich kam nach Angaben des Beelitzer Spargelvereins Brandenburg davon. Unterm Strich sei nur fünf bis zehn Prozent weniger Spargel als 2005 gestochen worden.

Erntehelfer fehlten

Vielen Landwirten bereiteten neben dem Auf und Ab der Erntemengen auch fehlende Helfer Kopfschmerzen. In der Kritik steht die Regelung, wonach jeder Landwirt nur maximal 90 Prozent der im vergangenen Jahr eingesetzten ausländischen Saisonarbeitskräfte einplanen darf. Nach Ansicht von Badens Bauernpräsident Werner Räpple ließe sich ein größerer Anteil osteuropäischer Saisonarbeitskräfte nicht durch Arbeitslose ersetzen.

Auch Sachsen-Anhalts Bauern belaste die vorgeschriebene Mindestzahl deutscher Erntehelfer, sagte die Geschäftsführerin des Landesverbandes Gartenbau, Brigitte Hochtanz, in Magdeburg. „Der Spargel konnte Anfang Mai teilweise oder gar nicht geerntet werden, weil Arbeitskräfte gefehlt haben.“ Niedersachsens Spargelanbauer fordern einen freien Zugang ausländischer Helfer zum deutschen Arbeitsmarkt.

Nur ein kleiner Trost für die Spargelhöfe dürften die im Vergleich zu 2005 höheren Durchschnittspreise sein. Nach ersten Schätzungen der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn kosteten die weißen Stangen der Handelsklasse I in dieser Saison auf dem Großmarkt rund 8,60 Euro je Kilo. 2005 waren es nur rund 7,40 Euro.

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