Schlecker-Ermittlungen
Staatsanwaltschaft erwartet „sehr umfangreiches“ Verfahren

270 Seiten Anklageschrift: Das mögliche Verfahren gegen den Gründer der Drogeriemarktkette Schlecker dürfte langwierig werden, schätzt die Staatsanwaltschaft. Über eine Aufnahme muss nun das Landgericht entscheiden.

BerlinDas von der Staatsanwaltschaft Stuttgart gewünschte Verfahren gegen den Gründer der Pleite gegangenen Drogeriemarktkette Schlecker dürfte aufwendig und langwierig werden. „Wir gehen davon aus, dass es zu einem sehr umfangreichen Verfahren kommt“, sagte Staatsanwalt Jan Holzner der „Welt am Sonntag“. Die Anklageschrift umfasst laut Zeitung 270 Seiten; dem Landgericht Stuttgart liegen zudem 204 Aktenordner an Ermittlungsakten vor. Dazu käme ein Dutzend Bände mit Beweismitteln.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft Anton Schlecker zahlreiche Vergehen vor. Im Zuge der Insolvenz soll er in insgesamt 36 Fällen Vermögenswerte beiseite geschafft und dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Darüber hinaus wird dem ehemaligen Drogeriekönig vorgeworfen, schon in den Jahren vor der Insolvenz die Verhältnisse in seinem Konzern falsch wiedergegeben und in einem Fall vor dem Insolvenzgericht unrichtige Angaben gemacht und diese an Eides statt versichert zu haben.

Über die Eröffnung eines Prozesses muss das Landgericht Stuttgart entscheiden. Eine Sprecherin sagte der „Welt am Sonntag“, erfahrungsgemäß könne ein Eröffnungsbeschluss bei einem solchen Verfahren nicht innerhalb weniger Wochen gefällt werden. Derzeit laufe die Frist, in der die Beschuldigten Gelegenheit zu einer ersten Stellungnahme haben.

Neben Anton Schlecker erhob die Staatsanwaltschaft auch Anklage gegen seine beiden Kinder, seine Ehefrau und zwei Wirtschaftsprüfer. Seine Familie soll dem Unternehmensgründer in mehreren Fällen dabei geholfen haben, der Drogeriemarktkette Vermögenswerte zu entziehen.

Die Drogeriemarktkette Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Im Sommer desselben Jahres stimmten die Gläubiger dann für eine Zerschlagung des Unternehmens. 25.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitete nach der Pleite Ermittlungen gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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