Schlecker-Finanzpolster
Arbeitnehmervertreter fordern Aufklärung

Trotz eines angeblichen Finanzpolsters von bis zu 40 Millionen Euro soll die Eigentümerfamilie eine Zahlung an die Drogeriekette abgelehnt haben. Arbeitnehmervertreter sind empört und fordern umgehend Transparenz.
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BerlinNach Berichten über ein angeblich immer noch millionenschweres Vermögen der Familie Schlecker haben Arbeitnehmervertreter das Unternehmen zu vollständiger Transparenz aufgefordert. „Alle Fakten müssen jetzt auf den Tisch“, sagte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann der „Bild“-Zeitung. Zugleich kritisierte sie, dass die Eigentümerfamilie eine Zahlung von neun Millionen Euro an die Firma Schlecker trotz eines angeblichen Finanzpolsters von bis zu 40 Millionen Euro abgelehnt habe.

„Wenn die neuen Vorwürfe stimmen, dann ist das eine Dreistigkeit, die durch nichts zu überbieten ist“, sagte Hoffmann der „Bild“. Das Verhalten der Familie Schlecker gegenüber den zehntausenden Mitarbeitern sei „sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos“.

Laut einem Bericht des „Spiegel“ hatte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz die Familie Schlecker am 25. Mai um eine Verlustfinanzierung von sieben bis neun Millionen Euro für den Monat Juni gebeten. Doch die Familie war Geiwitz zufolge „entweder nicht bereit oder nicht in der Lage“, diese Summe zu zahlen. Dem Handelsblatt zufolge verfügt die Schlecker-Familie auch nach der Insolvenz noch über ein Privatvermögen von 35 bis 40 Millionen Euro.

Geiwitz hatte am Freitag nach monatelanger Investoren-Suche die endgültige Zerschlagung der Kette bekanntgegeben. Betroffen sind rund 2800 deutsche Filialen mit 13.800 Beschäftigten. Die meisten Mitarbeiter sollen ihre Kündigungen bis Ende Juni erhalten. Am Montag will Geiwitz mitteilen, welche Investoren welche Unternehmensteile übernehmen werden.

Derweil ist die insolvente Schlecker-Tochter Ihr Platz nach dem dramatischen Aus für die Muttergesellschaft vorerst gerettet. Der Münchner Investor Dubag will mit der Übernahme der Kette und der Schlecker XL-Märkte auch alle 5000 Mitarbeiter weiter beschäftigen. Es sollen weder Filialen geschlossen noch Stellen abgebaut werden, sagte Dubag-Chef Michael Schumann am Montag in München. IhrPlatz- Insolvenzverwalter Werner Schneider war bis zum Mittag für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Die Beteiligungsfirma hat zwar kaum Erfahrungen im Einzelhandel, ist aber sicher, Ihr Platz wieder fit machen zu können. „Ihr Platz hat eine andere Geschichte als Schlecker“, sagte Schumann. Die Kette verfüge über einen gesunden Markenkern, den die Kunden nicht mit Schlecker in Verbindung brächten. Schlecker hatte die Kette mit Sitz im niedersächsischen Osnabrück erst 2007 übernommen.

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  • Ich hatte ein Transportunternehmen mit immerhin 6 Mitarbeitern (Vollzeit und ordentlich bezahlt)! 2007 kam die Insolvenz, da große Unternehmen, wenn überhaupt, ihre Rechnungen erst nach 6-12 Wochen zahlten! Ich will gar nicht klagen,muß aber bis heute, mit allem was ich besitze, für die Insolvenz gerade stehen!!!

  • Ich finde es bedauerlich, dass die vorangegangenen Kommentare zum Teil einen sehr unsachlichen Eindruck vermitteln. Es ist auch vollkommen unverständlich warum heute noch der "alte Zopf" ein Thema ist und (ohne ein Freund von Gewerkschaften zu sein) jemand die Schuld in diesem Falle bei Verdi sieht. Verantwortlich ist Schlecker der über Jahrezehnte die Regeln unseres Zusammen- und Arbeitslebens mit Händen und Füßen getreten hat und das trotz der starken Verdi Präsenz!!!
    Mich treibt aber vor allem die Frage um, wieso es bei einem e.K. in der Haftung eine Trennung zwischen Firmen und Privatvermögen geben kann? Es ist ein Unding das ein Ausbeuter wie Schlecker weiter im Luxus schwelgen kann während seine "ExMitarbeiter" kaum wissen wie es weitergeht. Sofern die Berichte im HB zutreffend sind, gab es wohl Manager von Schlecker die einräumten das bereits seit Mitte der 90er Jahre die Insolvenz quasi verschleppt wurde. Warum wird dann nicht wegen Verdacht des Verstoßes gg. § 283 StGB ermittelt, spätestens dann wäre auch der Weg offen die Schleckers voll in die Haftung zu nehmen?

  • Bei 4500 anstehenden Kündigungsschutzklagen, unter Umständen mit Hilfe der Arbeitnehmervertreter übernimmt niemand so ein Unternehmen. Jeder EUR ist in einem Unternehmen dieser Art verloren. Wenn es Zahlungsverpflichtungen noch geben sollte, wird der Insolvenzverwalter diese auch einfordern. Ob auch nur ein Beschäftigter Anspruch darauf hat ist fraglich, denn die anstehenden Gerichtsverfahren gegen das Unternehmen fressen alles auf.

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