Schlecker
Neues Leben nach der Pleite

"Kreative Zerstörung" lautet das Dogma des Weltökonomen Schumpeter: Nach dem Niedergang blüht in der Marktwirtschaft der Aufstieg. Stimmt das auch im Fall Schlecker? Handelsblatt Online schaut nach. Helfen Sie uns.
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DüsseldorfElf Jahre leitete Manuela Stutzer zwei verschiedene Filialen der Drogeriemarktkette Schlecker in Köln. „Manchmal habe ich mich für den Laden geschämt“, erzählt die Verkäuferin. Die spartanische Einrichtung und die Produkte, die rumstanden, weil sie niemand wollte – das ging an die Nieren. Dann und wann habe sie sich deswegen in einen Nebenraum zurückgezogen, um zu verschnaufen.

Hätte die heute 50-jährige die Signale richtig gedeutet, wäre eine der größten Firmenpleiten der Nachkriegsgeschichte vielleicht nicht so überraschend über sie hereingebrochen, wie sie Anfang des Jahres dann doch kam. Aber dass die ausbleibenden Investitionen ein Indiz für die Firmenpleite waren, ahnte sie indes nicht. „Es wurde zwar kein Geld in die Läden gesteckt. Aber wir haben uns doch angestrengt“, sagt sie. Als die Insolvenzmitteilung im Januar kam, war Stutzer paralysiert.

Ein dreiviertel Jahr später hat sie das Loch überwunden, das sich damals vor ihr aufgetan hatte. Geholfen hat ihr dabei ausgerechnet eine ehemalige Schlecker-Filiale in Köln-Esch, einem dörflichen Stadtteil im Norden der Stadt. Es ist nicht eine ihrer eigenen „alten“ Filialen. Aber vielleicht ist das Ladenlokal gerade deswegen gut geeignet, etwas Neues zu wagen – eine eigene Drogerie, die „em & es Drogerie“.

Stutzer gehört zu den ersten ehemaligen Schlecker-Frauen, die Opfer einer der größten Insolvenzen der Nachkriegsgeschichte wurden und jetzt eigene Läden in Deutschland aufmachen. Unter anderem bei der Pionierin der Ex-Schlecker-Frauen, Sonja Weisenburger, hatte sich die Kölnerin Rat geholt. Mittlerweile gibt es etliche weitere Beispiele mutiger Ex-Arbeitnehmerinnen, die jetzt selbstständig in einer ehemaligen Schlecker-Filiale geblieben sind: etwa im rheinischen Bergheim, im niederrheinischen Rheinberg oder im baden-württembergischen Erdmannhausen. Bei Manuela Stutzer in Köln fahren mittlerweile Gewerkschafter andere Schlecker-Frauen vor, damit sie denen Mut machen kann, auch etwas Eigenes zu wagen.

Doch bei Handelsblatt Online wollen wir mehr als ein paar Einzelfälle darstellen, wir wollen einen Überblick über das gesamte Erbe des Schlecker-Imperiums mit seinen zum Stichtag der Insolvenz fast 6000 Filialen in Deutschland. Dafür brauchen wir die Mithilfe unserer Leser, damit wir die volkswirtschaftliche Theorie der „kreativen Zerstörung“ in der Praxis prüfen können. Aufgestellt hatte sie der Ökonom Josef Schumpeter. Danach gehört der Niedergang unvermeidlich zu einer Marktwirtschaft, dadurch Platz für Neuerungen und Innovation geschaffen wird.

Doch wie lange braucht es, bis aus etwas kaputtem Alten, etwas gutes Neues entsteht? Wo gelingt das, wo nicht? Wie schnell geht das? Von Mitte November bis Mitte Januar sammeln wir daher Leser-Bilder der Filialen – seien die Räume mittlerweile neu bezogen oder noch fest verrammelt. Unter den Teilnehmern verlosen wir eine Uhr im Wert von mehr als 250 Euro.

Kommentare zu " Schlecker: Neues Leben nach der Pleite "

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  • Ich muss Makro2012 beipflichten. Schumpeter spricht vom aufkommenden Neuen, welches neben das Alte tritt und es niederkonkurriert. Die Frage "Doch wie lange braucht es, bis aus etwas kaputtem Alten, etwas gutes Neues entsteht?" sollte sich damit erübrigen. Die Insolvenz Schleckers ist meiner Meinung nach auf unzureichende Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen und passt nicht in das Schema Schumpeters.

    Ein gutes Beispiel für kreative Zerstörung ist der Übergang von der Schreibmaschine zum Computer. Eine ganze Industrie wurde Zerstört, durch das auftreten einer neuen Basisinnovation. Das Neue trat neben das Alte.

    Betrachtet man den Umstieg auf Erneuerbare Energien. Noch gibt es keine Methode Energie zu Erzeugen, die in direkter Konkurrenz zu bspw. der Kernenergie bestehen würde. Weshalb in vielen Ländern nicht die Anstrengungen unternommen werden wie in Deutschland. Wie lange es dauert bis das Neue das Alte verdrängt hat kann man sicherlich nicht Pauschal beantworten. Aber ab dem Punkt, ab dem eine neue Technik so ausgereift ist, dass sie gegenüber der Alten vorteilhafter erscheint wird ein Umschwung stattfinden.

  • Tolle Sache! Anstatt lediglich DPA Meldungen umzuschreiben und zu veröffentlichen, wird das HB selbst aktiv! Das ist doch mal echter Journalismus.

    Bin schon auf die Ergebnisse gespannt!

  • Es fehlen Stand heute 200.TSD Kitta Plätze. Bei rund 500 TSD Neugeburten knapp 40%. Die Schleckerläden liegen alle in zentraler Lage und bundesweit mehr als üppig verteilt.
    Warum hat die Politik = Familienministerium keine Arbeitsgruppe eingerichtet und von den ca. 10 TSD Filialen
    diejnigen rausgefischt welche geeignet wären für einen Umbau und Nachfrage-Vor Ort hätten erfüllen können.
    Schöner Nebeneffekt: Den einen oder anderen Angestellten hätte man sicher als Mitarbeiter für die KITA zu einem Erzieher gewinnen können.
    Es ist erstaunlich wie dumm unsere Politik geworden ist, es ist ja auch selbsterklärend wie Frau Schröder ihre Freundin als Staatssekretärin in das Ministerium reingebracht hat. Und um dieses Versagen noch zu Toppen hat diese Freundin auch noch, während der Arbeitszeit, ein Buch als Imageaufbesserungsversuch geschrieben.
    Ich kann nur jeden anflehen, geht wählen aber bitte keinen der 5 im Bundestag.
    VERSAGER=CDUCSUFDPSPDGRUENELINKE
    Ihr zerstört die Demokratie und säht Hass

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