Schlecker-Verwalter erklärt Insolvenz
Wie das Drogerie-Imperium unterging

Seit März wird der Untergang der Drogeriemarktkette Schlecker in Stuttgart juristisch aufgearbeitet. Aber was hat die Abwärtsspirale bis hin zur Pleite in Gang gesetzt? Und: Wäre Schlecker doch sanierbar gewesen?
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StuttgartWenn es denn den einen entscheidenden, den größten Fehler gab, der das Schlecker-Imperium schließlich zusammenbrechen ließ, dann ist es wohl das Festhalten am Ladenkonzept gewesen. Kleine, enge, für die Kunden unattraktive Filialen – und davon immer mehr.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hat aber noch viele andere Punkte gefunden, die aus seiner Sicht zum Aus für Europas einst größte Drogeriemarktkette geführt haben. Seit März wird die Insolvenz vor Gericht aufgearbeitet, und am mittlerweile 16. Verhandlungstag zeichnet Geiwitz detailliert die Abwärtsspirale nach, die Gründer und Eigentümer Anton Schlecker irgendwann nicht mehr stoppen konnte.

Arndt Geiwitz ist der erste Zeuge ohne Berührungsängste im Schlecker-Prozess. Er schüttelt Anton Schlecker und den mitangeklagten Kindern Lars und Meike in der Minute vor Prozessbeginn um 9 Uhr im Stuttgarter Landgericht die Hände. Kennt er doch die Angeklagten aus vielen Sitzungen in den ersten Tagen nach der Insolvenz Ende Januar 2012.

Fünf Jahre ist das her, und seitdem ist Geiwitz der Herr über die Zahlen. Ein Verkauf der tausenden Filialen in Deutschland scheiterte damals, seitdem sind die Läden dicht. Firmenpatriarch Schlecker steht vor Gericht, weil die Anklage ihm vorsätzlichen Bankrott vorwirft. Außerdem soll er Geld aus dem Unternehmen gezogen und an seine Kinder verschoben haben, die wegen Beihilfe angeklagt sind.

Am diesem Verhandlungstag öffnet Geiwitz seinen schwarzen Lederkoffer, legt den Aktenordner mit dem Insolvenzbericht auf den Tisch. Detailgetreu beantwortet er die Fragen des Richters Roderich Mattis. Anders als die angestellten Manager von Schlecker, die zuvor im Zeugenstand waren, hat Geiwitz einen nüchternen Blick auf die Dinge.

Seine Kanzlei war schon bei anderen großen Fällen dabei, ob zuletzt Weltbild, MAN, Roland oder Walter Bau. Schlecker war sein ungewöhnlichster und größter Fall. Und gleichzeitig seine größte Niederlage – es wurden keine Jobs gerettet.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft drohte spätestens Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit. Schlecker, der den Vortrag des Verwalters ohne sichtbare Regung verfolgt, soll über die Lage im Bilde gewesen sein. Er selbst weist den Vorwurf zurück und beteuert, bis zuletzt an eine mögliche Rettung geglaubt zu haben.

Konkret geht Geiwitz auf den Vorwurf in seinen Aussagen nicht ein, stattdessen gibt er einen umfassenden Einblick in das, was er bei seinem Antritt vorgefunden hat. Er spricht von einem „sehr unüblichen Großinsolvenzverfahren“, allein schon deshalb, weil Schlecker sein Imperium als Einzelkaufmann geführt hat - ein Imperium, das zuletzt hohe Verluste schrieb und monatlich Millionensummen verbrannte.

Wie konnte das passieren? „Die Philosophie von Anton Schlecker war immer, durch extreme Größenvorteile Preisvorteile zu erreichen“, sagt Geiwitz. „Dieser Blickwinkel war sicherlich zu einkaufsorientiert und zu wenig kundenorientiert.“ Sprich: Billig allein zieht irgendwann nicht mehr. Schlecker verlor massiv Kunden vor allem an die direkten Konkurrenten dm und Rossmann, die - so stellt es Geiwitz dar - gezielt die profitablen Schlecker-Standorte mit eigenen Filialen in unmittelbarer Nähe angriffen.

Als Reaktion macht Schlecker noch mehr Läden auf, um die Einkaufspreise noch weiter drücken zu können, doch die Strategie schlägt fehl. Gut 3.000 Filialen werden geschlossen, kosten aber weiter Geld, auch weil unattraktive Lagen eine Untervermietung erschweren.

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Für den Zukunftsplan reichte das Geld nicht mehr

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