Schlüsselbranchen im Wachstumscheck
Große Lebensmittelhändler wachsen weiter

Dreht sich im internationalen Einzelhandel das Übernahmekarussell mit immer höherer Geschwindigkeit? Handelsexperten jedenfalls sind sich sicher: In zehn Jahren wird sich der Marktanteil der drei größten Unternehmen, Wal-Mart, Carrefour und Metro, mehr als verdoppeln. Dabei setzen die Einzelhändler besonders auf Internationalität und ihre Marktmacht.

DÜSSELDORF. Um diese These zu untermauern, haben die Berater in ihrer Studie „Growth Excellence“ weltweit die Wachstumsstrategien internationaler Handelsfirmen unter die Lupe genommen. „Zu den führenden Unternehmen wird schon aufgrund der schieren Größenvorteile Wal-Mart gehören“, sagt A. T. Kearney-Handelsexperte Mirko Warschun. „Auch die britische Tesco hat derzeit gute Chancen.“ Frankreichs Carrefour-Konzern, derzeit weltweit die Nummer zwei, sieht er wegen der aktuell schleppenden Expansion dagegen „nicht notwendigerweise“ in der Spitzengruppe. Für den Düsseldorfer Metro-Konzern seien eine starke internationale Expansion und gezielte Akquisitionen unerlässlich, um sich unter den weltweiten Top-Spielern halten zu können. „Eventuell werden wir in der Spitzengruppe aufgrund des immensen Heimatmarktes sogar sehr bald einen Konzern aus China sehen“, vermutet Warschun.

Aus heutiger Sicht wäre dies eine Sensation. Derzeit ist die Brilliance Group der größte Lebensmittelhändler in der Volksrepublik. Mit 7,1 Mrd. Euro Umsatz schafft er einen weltweiten Marktanteil von gerade einmal 0,25 Prozent.

Auch die übrigen Vorhersagen erscheinen nach aktuellem Kenntnisstand gewagt. Zwar kommen die drei größten Lebensmittelhändler in Deutschland – Edeka, Rewe und Schwarz (Kaufland, Lidl) – tatsächlich bereits auf einen Marktanteil von 58 Prozent, weltweit ist die Konzentration jedoch weitaus geringer. Wal-Mart, Carrefour und Tesco erzielen nach Handelsblatt-Berechnungen rund 204 Mrd. Euro Umsatz im Lebensmittelhandel, was einem Anteil von 7,1 Prozent an den weltweit umgesetzten 2 850 Mrd. Euro entspricht.

Zudem ist eine kräftige Übernahmewelle kaum in Sicht. Noch in den 90er-Jahren trieb der Drang zur Größe Europas Einzelhandelskonzerne zu immer neuen Übernahmen. Den Startschuss gab die Genossenschaft Rewe, die 1990 fast alle bis dahin selbstständigen Rewe-Großhandlungen zur schlagkräftigen Rewe Zentral AG vereinigte und später die österreichische Billa mit ihrem Osteuropa-Netz übernahm. Dann ging es Schlag auf Schlag: Nach den Zusammenschlüssen von Kaufhof und Horten sowie Karstadt und Hertie 1993 verschmolzen drei Jahre später Asko, Kaufhof und Deutsche SB-Kauf zum börsennotierten Metro-Konzern. 1998 griff der US-Konzern Wal-Mart nach den deutschen Lebensmittelketten Wertkauf und Interspar, kurz darauf die Metro nach Allkauf und Kriegbaum.

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