Schlussverkauf beginnt: Winterkälte erfreut Modehändler

Schlussverkauf beginnt
Winterkälte erfreut Modehändler

Über die eisige Kälte in Deutschland freuen sich zumindest die Modehändler: Sie haben noch massig Winterkleidung auf Lager – im traditionellen Schlussverkauf muss die Ware raus. Die Minusgrade kommen gerade recht.
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BerlinEndlich Frost und Schnee – Deutschlands Modehändler reiben sich nicht nur wegen der Eiseskälte die Hände. Der Wintereinbruch in Deutschland kommt dem Handel nämlich gerade recht. Die Ladenhüter aus dem bislang viel zu milden Winter müssen aus den Regalen, um Platz für die bald kommende Frühlingsmode zu machen. Im Winterschlussverkauf (WSV), dessen Start die Handelsverbände für diesen Montag ausgerufen haben, sollen die Lager nun mit Rabatten von bis zu 70 Prozent geräumt werden.

Zwar hatten sich Kaufhäuser, Boutiquen und Sportfachhändler Minusgrade und Schneeflocken schon vor Weihnachten gewünscht. Mit 18,9 Grad plus in Freiburg und knapp 21 Grad in München war es an Heiligabend aber so warm in Deutschland wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Das machte den Händlern bislang einen Strich durch die Rechnung, im Jahresendgeschäft klingelten die Kassen nicht so stark wie erwartet. Seit Wochen versuchen die Händler deshalb, mit Rabatten die Nachfrage nach dicken Wintermänteln und wärmenden Fellstiefeln anzuheizen. Die Preise kamen bereits vor dem Fest ins Rutschen.

Mit dem traditionellen Winterschlussverkauf ab Montag bläst die Branche nun zum Finale mit noch höheren Rabatten. Wer jetzt noch friert oder schon an nächstes Jahr denkt, der kann mitunter deutlich sparen. Verbraucherschützer raten dennoch zu einem kühlen Kopf: Nicht jedes rote Prozentzeichen sei auch gleich ein Schnäppchen.

„Wir sind so wetterabhängig wie keine andere Branche“, schildert Werner Haizmann, Präsident des Deutschen Sportfachhandels, die Lage. Auch die Bundesverbände des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) und des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) verweisen auf den warmen Winter, der das Geschäft vor allem im Oktober und November hemmte. „Der lang ersehnte Wintereinbruch eröffnet endlich die Chance, aus den Lagerbeständen Umsatz zu machen“, sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH).

Die Umsatzdelle aus der Vorweihnachtszeit sei im Weihnachtsgeschäft und den ersten Januarwochen nicht ausgeglichen worden, erklärt der BTE. „Jetzt ist Schadensbegrenzung angesagt“, sagte BTE-Sprecher Axel Augustin. Die Kältewelle könne dafür sorgen, dass nicht nur die Schnäppchenjäger im WSV zugreifen, sondern auch viele Kunden einen aktuellen Bedarf an warmer Bekleidung sehen könnten. Hedde erwartet bei Wintermode auch die größten Preisnachlässe – weil die Ware raus muss.

Erstmals seit 2008 verbuchte der deutsche Textileinzelhandel im gerade abgelaufenen Jahr einen Umsatzrückgang, wie die „Textilwirtschaft“ berichtete. Die Branchenerlöse sind nach einer Umfrage der Fachzeitschrift 2012 um zwei Prozent geschrumpft. Der BTE geht von einem kleinen einstelligen Umsatzminus für 2012 aus, um eine Katastrophe handele es sich nicht. Beim Abschneiden der einzelnen Unternehmen sei die Bandbreite groß: Es gebe Händler, die 2012 gewachsen seien oder vorsichtiger Ware geordert hätten.

Preisreduzierungen, die die Modebranche fast nur noch mit dem englischen „Sale“ anpreist, ziehen sich bei einigen Anbietern durch das ganze Jahr. „Verbraucher müssen für Schnäppchen nicht mehr auf den Schlussverkauf warten, sondern nutzen zunehmend auch Angebote im Netz“, sagt Hedde. Wichtig seien die großen Rabattaktionen aber gerade auch für kleinere Händler mit geringerem Warenumschlag.

Seit dem Fall des Rabattgesetzes 2001 können Händler auch außerhalb der Schlussverkäufe Rabatte gewähren. Und weil die Mode immer schneller wechselt, eine Kollektion der nächsten folgt, finden Verbraucher häufig Ständer mit reduzierter Ware. Zudem will kein Händler den richtigen Zeitpunkt verpassen. 2012 schwappte die erste Rabattwelle Anfang Dezember durch die Großstädte, die zweite kam dann um Weihnachten herum, wie Branchenkenner berichten.

Der Rotstift kreist derzeit fast überall. Karstadt wirbt auf seiner Webseite mit Rabatten von bis zu 70 Prozent quer durchs Sortiment. Bettwäsche, Digitalkameras, Sportbekleidung gibt es zum Schnäppchenpreis. Auch die schwedische Textilkette Hennes & Mauritz hatte bereits im Dezember die Preise kräftig gesenkt. Bei der Douglas-Tochter AppelrathCüpper bewegen sich die Preisnachlässe zwischen 40 und 50 Prozent. Am Ende des Schlussverkaufs seien bis zu 70 Prozent drin, wie es bei anderen Händlern ebenfalls üblich ist. Der Schlussverkauf habe allerdings nicht mehr die Bedeutung früherer Jahrzehnte, sagte eine Sprecherin der Douglas-Holding.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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