Schmiergeld für Auftrag in Taschkent
Fraport unter Korruptionsverdacht

Berichten zufolge hat der Flughafenbetreiber Fraport den Auftrag zur Modernisierung des Flughafens von Taschkent mit Schmiergeldern erkauft. Fraport will von dem Vorgang nichts gewusst haben.

HB BERLIN. Wegen des Verdachts auf Bestechung ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt seit mehr als einem Jahr gegen zwei ehemalige Mitarbeiter und vier weitere Beschäftigte des Flughafenbetreibers Fraport. Entsprechende Berichte des «Spiegel» und der «Frankfurter Rundschau» hat der Sprecher der Behörde, Job Tilmann, am Samstag bestätigt. Zu den Einzelheiten des Ermittlungsverfahrens wollte er nicht Stellung nehmen.

Den Auftrag zur Modernisierung des Flughafens von Taschkent soll Fraport den Berichten zufolge gegen Schmiergeld für usbekische Spitzenfunktionäre erhalten haben. Der Deal sei über ein Scheingeschäft mit einem Koblenzer Handwerksunternehmen eingefädelt worden. Über die zwischengeschaltete Firma soll das Bestechungsgeld nach Usbekistan transferiert worden sein. Empfänger von 195 000 US-Dollar soll den Berichten zufolge der damalige Chef der usbekischen Fluggesellschaft, Arslan Rusmetow, gewesen sein.

Das Geschäft flog auf, als das Koblenzer Unternehmen in Konkurs ging. Die Koblenzer Staatsanwaltschaft habe Fraport-Zahlungsbelege gefunden, für die keine Gegenleistung erkennbar war. Ein Fraport-Sprecher räumte gegenüber dem «Spiegel» das Scheingeschäft ein. Es sei allerdings die Aktion «einzelner Beschäftigter» gewesen, von der die Unternehmensspitze keinerlei Kenntnis gehabt habe. Als Fraport von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft erfahren habe, habe das Unternehmen zwei mit dem Geschäft befasste Mitarbeiter fristlos gekündigt. Der «Spiegel» berichtete weiter, unternehmensinterne Dokumente legten jedoch den Verdacht nahe, dass die beiden geschassten Fraport-Mitarbeiter nicht auf eigene Rechnung gehandelt hätten.

Die «Frankfurter Rundschau» berichtete am Samstag, die zwei entlassenen Mitarbeiter klagten nun gegen Fraport. Sie zitierte den Oberurseler Rechtsanwalt Werner Ronimi, der einen der beiden früheren Fraport-Mitarbeiter vor dem Frankfurter Arbeitsgericht vertritt. Ronimi argumentiert dem Bericht zufolge, dass die Vorgesetzten der Kläger von Anfang an von dem Vorgang wussten.

Ronimi zufolge hatte sein Mandant in Usbekistan Rusmetows Forderung nach Schmiergeld an seinen Abteilungsleiter gemeldet. Der Abteilungsleiter habe erklärt, mit Fraport gehe das nicht, aber man könne einen Subunternehmer einschalten. Die Koblenzer Firma habe daraufhin fingierte Monteursrechnungen ausgestellt und dem Fraport-Mann das Geld in bar übergeben. Dieser habe es Rusmetow Ende 2000 in Taschkent ausgehändigt. Den Berichten zufolge trat Rusmetow Ende 2002 von seinem Posten als Chef der usbekischen Fluggesellschaft zurück.

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