Schmiergeldzahlungen und Tarnkonten
Rewe im Visier der BaFin

Nach finanziellen Unregelmäßigkeiten beim Kölner Handelskonzern Rewe hat sich neben der Staatsanwaltschaft nun auch die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet. Angeblich hat es beim Handelskonzern Schmiergeldzahlungen und Tarnkonten gegeben.

HB DÜSSELDORF. Nach finanziellen Unregelmäßigkeiten beim Kölner Handelskonzern Rewe strebt das Unternehmen eine „lückenlose Aufklärung“ des Korruptionsverdachtes an. „Wir wollen, dass alle Vorgänge beleuchtet und lückenlos aufgeklärt werden“, sagte der Vorstandssprecher der Rewe-Gruppe, Alain Caparros, am Montag in Köln. Bereits vor einem Monat habe Rewe sich an die Kölner Staatsanwaltschaft und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gewandt. Die Staatsanwaltschaft prüfe derzeit, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleiten werde, sagte ein Sprecher. Details nannte er nicht.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) habe sich des Falles angenommen, teilte Rewe am Montag mit. Rewe habe beide Behörden selbst eingeschaltet, um zur Klärung „möglicherweise strafrechtlicher Sachverhalte“ beizutragen. Ein BaFin-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Der seit Anfang September amtierende Rewe-Vorstandssprecher Alain Caparros sagte, alle Vorgänge müssten lückenlos aufgeklärt werden.

Zu Berichten über eine etwaige „Geheimbank“ und Mitarbeiterkonten, über die ehemalige Führungskräfte dubiose Zahlungen abgewickelt haben sollen, nahm der Konzern nicht Stellung.

Die Staatsanwaltschaft Köln prüft derzeit, ob Anhaltspunkte zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens vorliegen. Ein Sprecher der Behörde erklärte, es sei noch unklar, wie lange die Untersuchungen dauern würden. Bei den Vorermittlungen, deren Gegenstand auch der ehemalige Rewe-Chef Hans Reischl sei, gehe es darum, ob Anhaltspunkte für den Tatbestand der Untreue oder für einen Verstoß gegen das Kreditwesengesetz vorlägen.

Im Umfeld des Kölner Unternehmens hatte es geheißen, ehemalige führende Mitarbeiter hätten offenbar jahrelang einen italienischen Großlieferanten beim Wareneinkauf bevorzugt und überhöhte Preise gezahlt. Reischl, der Rewe 2004 nach 27 Jahren an der Spitze verlassen hatte, war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Er hatte dem Magazin „Stern“ aber gesagt: „An den Vorwürfen ist absolut nichts dran, das versichere ich gern auch eidesstattlich.“

Medienberichten zufolge sollen Rewe-Chefs dreistellige Millionenbeträge über interne Mitarbeiterkonten geschleust haben. Unter anderem sollen Gelder an den früheren Vorstandsvorsitzenden Hans Reischl und dessen Kinder geflossen sein. Auch von Schmiergeldzahlungen an einen italienischen Lieferanten war die Rede. Das Unternehmen soll bei Rewe jahrelang anderen vorgezogen worden sein. Reischl und der Lieferant haben diese Vorwürfe zurückgewiesen.

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