Schmuckhersteller in der Krise
Swarovski: Von glitzernden Steinen geblendet

Wattens und Swarovski - der Ort und sein Schmuckhersteller. Lange war das eine Symbiose. Genau das ist jetzt aber zum Problem geworden. Das Kristall-Imperium kämpft ums Überleben, die Gemeinde bangt um die Zukunft ihres wichtigsten Arbeitgebers. Es geht um viel. Jetzt können nur noch die Russen helfen.

WATTENS. Sehen kann man es nicht. Markus Langes-Swarovski ist ein junger Mann, freundlich, offen, zuvorkommend. Er spricht ein leicht eingefärbtes Hochdeutsch, etwa wie die Münchener. Keine Spur des steinigen, erdigen Dialekts der Tiroler hier. Er ist lange in Bayern zur Schule gegangen. Jemand, der ihn zum ersten Mal erlebt, könnte ihn für einen Designer halten. Eleganter dunkler Anzug, offener Hemdkragen, irgendwie der Typ Künstler. Er wirkt jedenfalls nicht wie jemand, der in diesem Jahr 700 Menschen gern auf die Straße gesetzt hat.

Langes-Swarovski steht im Designzentrum seines Werks, umgeben von Stoffvorhängen und glitzernden Kristallen. Es ist der Ort, an dem er gewöhnlich übers Geschäft redet. Hierhin kommen Firmen, um bei ihm zu ordern. "Wir müssen in unserem Budgetdenken kurzfristiger werden", sagt er. Jedes seiner Worte wird derzeit besonders genau gehört, vor allem in diesem Ort, dessen Zukunft von ihm abhängt.

Langes-Swarovski, 34 Jahre alt, ist der Chef des Tiroler Kristall-Imperiums Swarovski. Nicht irgendein Familienvertreter, der erste Mann eines Konzerns mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz und an die 22 000 Mitarbeitern, davon 6 000 am Stammsitz Wattens in Tirol, 7 000 Einwohner, keine 20 Minuten von Innsbruck entfernt.

Swarovski und Wattens, bisher war das eine schöne Beziehung. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Belegschaft des wichtigsten Arbeitgebers verdoppelt. Die Leute haben gutes Geld verdient, der Bürgermeister freute sich über schöne Steuereinnahmen, und der Ort konnte sich mit der berühmten Firma von internationalem Ruf schmücken. Bisher. Doch plötzlich steht der junge Chef vor Problemen, die seine Familie bisher nicht kannte. Die Billigkonkurrenz aus Tschechien, Ägypten und Asien macht ihm sehr zu schaffen.

700 entlassene Wattener in diesem Jahr, schon vor Finanzkrise und bevor eine Rezession drohte. Und die jüngsten Geschäftszahlen lassen nichts Gutes erahnen. Die Gewinnziele? Nicht erreicht. Sie werden, sagt Langes-Swarovski, 30 bis 40 Prozent hinter dem Plan zurückbleiben. Mehr ist ihm nicht zu entlocken; seine Sache und die der anderen 60 Familiengesellschafter, findet er. Aber man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Luxusgüter zu den Dingen gehören, auf die die Menschen als Erstes verzichten, wenn sie ihr Geld zusammenhalten müssen. In den USA kann man das derzeit gut beobachten.

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