Schnäppchenjagd hat begonnen
Großer Kundenandrang beim womöglich letzten SSV

Zum Auftakt des womöglich letzten Sommerschlussverkaufs (SSV) sind am Montag nach Einschätzung des Handels so viele Kauflustige wie seit langem nicht mehr in die Geschäfte geströmt. Bei zumeist idealem Einkaufswetter lockte der Handel mit Preisnachlässen von bis zu 75 %. Vielfach öffneten die Geschäfte bereits um acht Uhr und boten neben Gratis-Kaffee zusätzliche Frühaufsteher-Rabatte.

rtr DÜSSELDORF. Der Start sei „sehr verheißungsvoll“ verlaufen, sagte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Dies habe sich bereits am vergangenen Samstag gezeigt, denn traditionell deute das Wochenende vor einem Schlussverkauf auf den weiteren Verlauf hin. Zwei Drittel der Händler hätten am Samstag über „bombige“ und „überragende“ Geschäfte berichtet. In einer Trendumfrage des Verbandes habe sich am Montag kein einziger Händler pessimistisch über den weiteren Verlauf des SSV geäußert. „Die Stimmung ist gut, die Leute sind da - das ist die beste Werbung für die Beibehaltung des Schlussverkaufs“, sagte Pellengahr mit Blick auf die geplante Novelle des Wettbewerbsrecht. Dadurch wären Sonderverkäufe - wie die bisherigen Schlussverkäufe - künftig während des ganzen Jahres möglich.

Die Preise seien mit Nachlässen von bis zu 75 % „absolut extrem“ reduziert, hieß es bei C & A. In den Karstadt-Kaufhäusern lagen die Nachlässe nach Angaben eines Sprechers in der Spitze bei 70 %, Kaufhof reduzierte um bis zu 60 %. HDE-Sprecher Pellengahr hob hervor, dass die Ware im Schnitt um 40 bis 50 % reduziert sei. „50 % ist verschenkt, bei 75 % legt der Händler drauf.“ Alle Händler wiesen darauf hin, dass es trotz des heißen Sommers noch eine große Auswahl an typischer Sommerbekleidung gebe. Die Tour de France und die Schwimm-WM in Barcelona hätten im Bereich der Sportbekleidung aber für zusätzliche Kaufimpulse gesorgt, hieß es einhellig.

Handel uneins über künftige Schlussverkäufe

Trotz des guten Starts zeigte sich die Handelsbranche uneins zur Zukunft der Schlussverkäufe. Die Bundesregierung hatte bereits vor zwei Jahren das Rabattgesetz aufgehoben und will nun durch eine Novelle des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) für zusätzlichen Wettbewerb sorgen. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) bekräftigte seine Forderung nach einem weiter geltenden gesetzlichen Schutz der Schlussverkäufe. Sonst würden Absprachen des Handels über gemeinsame Termine gegen das Kartellrecht verstoßen, sagte HDE-Sprecher Pellengahr. „Nur mit einem Schlussverkauf bekommen sie so viele Leute auf die Beine“ warb er für die Position des HDE.

Der kleinere Handelsverband BAG hatte dagegen jüngst erklärt, ein gesetzlicher Schutz des Schlussverkaufs mache keinen Sinn. Durch die zuletzt immer häufigeren Rabattaktionen sei er ohnehin überholt. Auch die Bundesvereinigung der Verbraucherschützer sprach sich gegen eine weitere gesetzliche Regelung der Schlussverkäufe aus. Die Beschränkung von Reduzierungen hinsichtlich der Termine und Sortimente sei überholt, sagte der Wettbewerbsexperte Manfred Dimper. „Seit eineinhalb Jahren jagt eine Rabattaktion die nächste, was im Prinzip gegen das geltende Gesetz verstößt. Wir haben aber nichts dagegen unternommen, weil Rabattaktionen im Sinne der Verbraucher sind.“ Dieser Ansicht widersprach die Gewerkschaft Verdi. Immer mehr Rabattaktionen und „Mondpreise“ würden die Verbraucher nur verwirren, sagte Franziska Wiethold vom Verdi-Bundesvorstandsmitglied im DeutschlandRadio. Sie forderte dagegen mehr Preistransparenz.

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