Schnellere Liberalisierung als beim Gas: Kunden profitieren beim Strom bislang kaum

Schnellere Liberalisierung als beim Gas
Kunden profitieren beim Strom bislang kaum

Der Strommarkt ist dem Gasmarkt hinsichtlich der Liberalisierung um mehrere Jahre voraus. Bereits seit 1998 machen neue Stromanbieter den etablierten Konzernen Konkurrenz.

BERLIN. Doch von der anfänglichen Euphorie der neuen Anbieter ist nicht viel geblieben. Auch für die Kunden blieben die Vorteile bislang gering.

In der Spitze forderten weit über 100 neue Firmen bundesweit oder zumindest überregional Stadtwerke und die häufig mit ihnen verflochtenen Konzerne zum Kampf um Kunden heraus. Heute beläuft sich die Zahl der Anbieter, die bundesweit Haushalte versorgen und noch aktiv Kunden werben, nach Angaben des Bundesverbandes neuer Energieanbieter (BNE) auf unter 20. Viele Unternehmen, die zum Teil mit großem Werbeaufwand gestartet waren, sind längst Geschichte. Sie hatten erkennen müssen, dass die Wechselbereitschaft der Privatkunden gering und die Probleme bei der bundesweiten Abwicklung der Netznutzung enorm waren.

Die neuen Anbieter kritisierten die Großkonzerne, sie würden junge Firmen gnadenlos schikanieren, um den Wettbewerb im Keim zu ersticken. Die Etablierten, so der Vorwurf, machten die Ummeldung eines wechselwilligen Kunden zum bürokratischen Spießrutenlauf. Zusätzlich erhöhten die Stromkonzerne die Kosten für die Nutzung ihrer Netze so stark, dass für die neuen Anbieter beim Stromverkauf nichts mehr zu verdienen war. Unternehmen wie Ares, Best Energy und Zeus Strom gingen Pleite. Aber es gibt auch zumindest eine Erfolgsgeschichte. Nach schwierigen Jahren hat es der Anbieter Yello geschafft in die schwarzen Zahlen zu kommen – allerdings nur dank der Unterstützung des Mutterkonzerns EnBW.

Die Hoffnungen der Endverbraucher auf sinkende Preise haben sich durch die Öffnung der Strommärkte nur zu einem kleinen Teil erfüllt. Zwar fielen die Preise zunächst deutlich – in der Spitze um bis zu 40 Prozent. Diese Preisreduzierungen kamen jedoch besonders Industriekunden zugute, Haushalte profitierten vergleichsweise wenig. Mittlerweile sind die Preissenkungen, die sich mit Beginn der Marktöffnung ergeben hatten, durch zusätzliche Abgaben und Steuern fast vollständig aufgezehrt. Haushalte zahlen nach Berechnungen des BNE heute mehr für den Strom als vor der Liberalisierung.

Doch die kleinen Anbieter geben nicht auf. Sie setzen darauf, dass die Bundesnetzagentur im Mai die Durchleitungsgebühren für die Kabel der etablierten Konkurrenz senkt. Dadurch könnte Spielraum für neue Offensiven entstehen. Derzeit liegen die Netznutzungsentgelte in Deutschland weit über dem europäischen Durchschnitt. Herausforderer positionieren sich bereits wieder: Erst in der vergangenen Woche ging mit Nuon in Berlin ein Unternehmen mit großem Werbeaufwand an den Start, das dem Platzhirschen Vattenfall Privatkunden abjagen will.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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