Schockbilder helfen nicht

Gruselaufdrucke lassen Tabakindustrie kalt

Erst kam der Aufschrei und danach die Ernüchterung: Die Schockbilder auf den Zigarettenschachteln lassen die Tabakindustrie kalt. Trotzdem gib es immer neue Verdeck-Aktionen. Was sagen die Anti-Rauch-Verbände dazu?
Seit Mai sieht man sie auf allen Tabakprodukten: Die Schockbilder. Ihre abschreckende Wirkung ist allerdings umstritten. Quelle: dpa
Schockbilder auf Zigarettenpackungen

Seit Mai sieht man sie auf allen Tabakprodukten: Die Schockbilder. Ihre abschreckende Wirkung ist allerdings umstritten.

(Foto: dpa)

Berlin Kindersärge und abgefaulte Zehen – seit Mai 2016 warnen Schockbilder auf Zigarettenschachteln Raucher vor den Folgen des Qualmens. Die Tabakindustrie lässt das aber kalt. „Das hat sich bei uns schlichtweg nicht ausgewirkt“, sagt Rainer von Bötticher vom Bundesverband des Tabakwaren-Einzelhandels (BTWE). Es habe keine Protestwelle von Kunden gegeben. Zu den Aufdruck verdeckenden Schachtelschiebern oder Etuis hätte bisher nur ein kleiner Teil der Raucher gegriffen. Ab Freitag trifft sich die Branche auf der weltgrößten Tabakindustrie-Messe „Intertabac“ in Dortmund - und hat neue Strategien, um die Bildchen zumindest im Laden verschwinden zu lassen.

Zwar habe es kurzzeitig einen Anstieg beim Verkauf von Zigarettenetuis gegeben, sagt von Bötticher. „Von einem Boom kann man aber nicht sprechen, viele leben auch ohne Etui.“ Beim Online-Kaufhaus Ebay waren Zigarettenetuis nach der Einführung der Schockbilder im Mai kurzzeitig mit unter den Bestsellern. Beim Online-Versandhandel Amazon rangierte am Donnerstag eine Zigarettenschachtel aus Aluminium unter den 100 meisterverkauften Artikeln – allerdings auf Platz 98.

Die gruseligsten Zigarettenschachteln der Welt
huGO-BildID: 2131373 Picture shows cigarette brands of German tobacco company Reemtsma, taken in Hamburg, northern Germany, on Thursday, March 7, 200
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Vor zehn Jahren sahen deutsche Zigarettenpackungen noch so aus. Der Warnhinweis der „EG-Gesundheitminister“ fand sich lediglich klein gedruckt am unteren Rand. Seit dem hat sich in der Gestaltung der Packungen weltweit viel getan.

ZIGARETTEN
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Ab 2003 wurden die Warnhinweise EU-weit größer und einheitlich gestaltet. Von abschreckenden Bildern war damals noch nicht die Rede - und bis heute ist das in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern auch noch nicht üblich.

CIGARETTE PLAIN PACKAGING
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Ganz anders in Australien. Das oberste Gericht des Landes erklärte es Mitte August 2012 für rechtlich zulässig, dass Zigarettenpackungen nicht nur mit abschreckenden Bildern und großen Warnhinweisen versehen werden müssen. Es darf zudem nur der Markenname des Herstellers in einfacher Schrift aufgedruckt sein.

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Mit der Vorschrift zur einheitlichen und neutralen Gestaltung ist Australien derzeit Vorreiter. Die neue Packungsgestaltung soll ab Ende Dezember 2012 greifen.

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Das australische Gesundheitsministerium hält eine breite Palette an Bildern bereit. Auch in anderen Ländern sind solche drastischen Abbildungen üblich, allerdings darf dort noch das Logo einer Marke verwendet werden.

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In Neuseeland gilt seit 2008 bei der Bildwahl eine ähnliche Vorschrift wie in Australien. Hier versuchen die Packungsdesigner, Mitleid zu erwecken und so Käufer abzuschrecken.

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Kein medizinisches Sachbuch braucht sich hinter den neuseeländischen Abbildungen zu verstecken. Ironischerweise trägt die Webseite des Gesundheitsministeriums eine Warnung vor dem Schockpotenzial der Bilder. Im Laden fehlt ein solcher Hinweis jedoch.

Auch beim Versandhandel Manufactum ist ein Etui im Angebot. „Der Verkauf ist im letzten Quartal tatsächlich um etwa 50 Prozent zum Vorjahr gestiegen“, erklärt Angele Zettner, die den kreativen Einkauf leitet. „Wir haben jedoch keine Hinweise darauf, ob dies mit der Veränderung der Zigarettenpackungen zu tun hat oder andere Gründe hat.“ Viel Ärger vorab also wegen nichts?

Von Bötticher vom BTWE ist sich sicher: „Es gibt keinen Wirkungszusammenhang zu den Gruselbildern.“ Absatz und Umsatz des Tabakwaren-Einzelhandels entwickeln sich stabil. Im zweiten Quartal 2016 lag der Zigaretten-Umsatz, der über Steuerzeichen errechnet wird, laut dem Statistischen Bundesamt bei 4,8 Milliarden Euro.

„Die Schockbilder sind dann im Regal nicht mehr zu sehen.“
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