Schokoladenmarkt
Aufruhr unter Schleckermäulern

Deutschland: 100-Gramm-Land. Soviel wiegt hierzulande die Tafel Schokolade. Doch teure Rohstoffe und preissensible Kunden vermiesen Herstellern die Marge. Milka greift durch und setzt Packungen neuer Sorten auf Diät.
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DüsseldorfBeim Schokoladenhersteller Ritter Sport erzählt man sich eine Geschichte. Als in den 1960er-Jahren die Expansion des schwäbischen Familienunternehmens nach Norden einsetzte, war Überzeugungskraft gefragt. Die quadratischen Tafeln stießen bei den Einzelhändlern an Elbe und Nordseedeich auf Skepsis. Ob da wirklich so viel drin sei wie in den rechteckigen Tafeln der Konkurrenz? Die Vertreter aus dem Süden hätten dann zum Beweis immer mal wieder eine Tafel auf eine Waage gelegt, um zu beweisen: 100 Gramm.

Deutschland, das 100-Gramm-Land. Eine Tafel Schokolade wiegt seit Jahrzehnten so viel. Doch diese Bastion in der Welt der Schleckermäuler droht zu fallen. 87 Gramm Kakaogenuss, willkommen!

Auf der Süßwarenmesse in Köln präsentieren die Zucker- und Kakaofabrikanten gerade Produkte von Gurken- bis Salmiak-Schokolade. Die Show verdeckt dabei die Schlacht der Massenproduzenten am Einzelhandelsregal. Denn die Branche steckt in einer vertrackten Situation.

Auf der einen Seite steigen die Preise für wichtige Zutaten. Der Zuckerpreis in der EU ist von 2008 bis Anfang 2013 von 600 Euro auf 730 Euro geklettert. Die Kakao-Preise in dieser Zeit waren in etwa so verlässlich vorhersehbar wie der Verlauf eines Tornados. Zwischen 2000 und über 3500 Dollar pro Tonne schwanken die Weltmarktpreise. Im Sommer 2010 hatte der Hedgefonds-Manager Anthony Ward auf einen Streich den Londoner Kakaomarkt leer gekauft und den Preis für die Bohnen rasant in die Höhe getrieben.

Bei Haselnüssen – hinter Kakao der zweitteuerste Rohstoff – sieht es kaum besser aus. Binnen zweieinhalb Jahren haben sich die Preise verdoppelt. Allein im Jahr 2012 hat der Haselnusseinkauf Ritter sieben Millionen Euro mehr gekostet als geplant.

Und obwohl die Rohstoffe den Großteil der Kosten der Schokoladenproduktion ausmachen: Die Preise für 100-Gramm-Tafeln sind wie festgenagelt. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen keine Erhöhungen in den vergangenen fünf Jahren. Und auch die Konsumgüterforscher der GfK-Gruppe bestätigen: Egal ob Marken-Schokolade oder Discount-Ware, die Preisschwankungen sind vernachlässigbar. Im Durchschnitt kostete eine Tafel 2008 65 Cent, im vergangenen Jahr waren es 66 Cent.

Kommentare zu "Aufruhr unter Schleckermäulern"

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  • Es ist sogar noch länger her - da sehen Sie mal wieder wie die Zeit vergeht - ich war damals 14 Jahre alt und kann mich trotzdem noch sehr gut daran erinnern. Vielleicht weil ich schon als Jugendlicher ausgesprochener Kaffee-Fan war, aber für meine Eltern ein Pfund-Päckchen für damals fast 10,00 DM schon harter Tobak war.

    Genaueres gibt es hier - ein Blick zurück: http://www.absatzwirtschaft.de/content/_p=1004040,sst=LADZfEsYQ86dwI6%252fC4VYT31U6MnS5TAMpeHXhmNDSAo%253d

  • Wenn er doch an der Schweizer Grenze wohnt, ist das doch ok!

  • Das hängt vom Supermarkt ab.

  • Also ich bekenne mich gern dazu, von klein auf sehr gern und entsprechend viel Schokolade gegessen zu haben. Insofern kenne ich mich da wohl auch ein bisschen aus, gerade bei den preissensiblen Arten, bei meinem Konsum kann ich mir die teureren eh nicht leisten... :)
    Ich kann, da ich seit 12 Jahren in Österreich wohne, nur mehr für Österreich sprechen, und dort hat es sehr wohl Jahr für Jahr Preissteigerungen gegeben. Ritter Sport, die ich in der Sorte Marzipan am liebsten hatte, hab es vor ca. 5 Jahren noch für 85 Cent, dann waren es 89 Cent, dann 99 Cent, dann 1,05 Euro und mittlerweile wollen sie hier 1,09 Euro haben. Ich kaufe sie im Prinzip nicht mehr, seit sie 99 Cent kostet. Ich bin also zunächst einmal froh zu lesen, dass es offenbar andere Kunden mir gleich tun. Ich kaufe lieber Schokolade vom Discounter, da gibt es teilweise sehr gute Sorten für sehr günstiges Geld. Allerdings kann man auch dort Preissteigerungen beobachten - mittlerweile ist es nicht mehr so leicht, eine Tafel für 50 Cent zu finden - und was mir noch auffällt seit ca. 2-3 Jahren: Nach schoko-typischen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern findet man im Einzelhandel kaum noch reduzierte Ware, die hat man bis dahin für 50% Nachlass bekommen, sondern die verschwinden einfach aus den Regalen. Keine Chance mehr auf echte Schnäppchen... Ich vermute, die Hersteller nehmen ihre Schokolade hier seit ein paar Jahren einfach wieder zurück und machen eben zB aus einem Nikolaus einfach einen Osterhasen... Was man noch bekommt nach solchen Feiertagen sind Produkte von Lindt, die aber vorher schon dermaßen überteuert waren, dass sie auch für 50% nach den Feiertagen immer noch zu teuer sind.

  • Gut Hardie!

    Übrigens ist das generell an vielen Stellen zu beobachten: Man faselt von Rohstoffpreisen und gemeint sind die Aufschläge von Handel und vor Allem Politik (aktuelles Beispiel: Strom).
    Gute Hilfiger Jeans, identich mit den hiesigen, kriegt man in US-Outles für 18 US Dollar. Unsere Preisentwicklungen haben fast nirgendwo etwas mit den reine Rohstoffpreisen, oft auch nichts mit den Produktionskosten zu tun; wie das Hilfiger-Beispiel belegt.

  • Richtig toll war das! Ist das schon so lange her?
    Jedenfalls lautete damals eine Werbung sinngemäß oder gar wörtlich: "400 Gramm sind jetz soviel, wie bisher 500 Gramm waren." Das war wirklich krass!
    In der Tat, der Kunde HAT macht. Meistens aber fällt er auf "Glitzer" gerne rein und kauft den Mist; nur weil er irgendwo im Regal steht.

  • Ach Gottchen rotkober!
    Und ich fahre immer nach Japan wenn ich mir ein Auto kaufe, denn Toyota ist besser als VW. Und wenn ich mal einen Rotwein trinken will, dann fahre ich kurz nach Bordeaux. Schlecht ist es nur, wenn ich anschließend noch ein Bierchen will, muss ich wieder zurück nach Pilsen.

    Mann, Mann was für wundersamte Typen meinen sich hier profilieren zu müssen?

  • Milka steht auch schon lange nicht mehr für Qualität!

    Eher als eine sahnige billig Schokolade des US Konzerns Kraft...

  • Qualität hat eben immer ihren Preis, und von Schokoladenqualität kann man bei deutscher Schokoade kaum reden!
    Ich hole mir da lieber originale Schweizer Schokolade im Nachbarländle. Ist um Längen besser!

  • Milka hat zwar in den 90er Jahren gelegentlich in Sonderangeboten 99 Pfennig gekostet, der Normalpreis lag aber auch im Supermarkt Mitte der 90er eher bei 1,29 DM. Heute kostet Milka je nach Angebot zwischen 69 und 89 Cent. Rechnet man mal mit 2% Inflation, so ist die Preissteigerung nicht wirklich so gigantisch, im Gegenteil. Das kommt mit den 2% in ca. 15 Jahren schon ganz gut hin.

    Ich habe den Eindruck, die meisten Menschen vergessen, dass zwischen ihren gefühlten damaligen DM-Preisen und den heutigen Euro-Preisen >11 Jahre liegen.

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