Schröder konstatiert „Managementversagen in seiner krassesten Form“
Kanzler greift Karstadt-Management an

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat der früheren Unternehmensleitung des Karstadt-Quelle-Konzerns krasses Versagen vorgeworfen. Gleichzeitig sicherte er die Hilfe der Bundesregierung bei der Abmilderung sozialer Folgen für die Beschäftigten des Konzerns zu, die seit gestern um ihre Jobs zittern müssen.

agr/kk/ire/sig DÜSSELDORF. „Es handelt sich um Managementversagen in seiner krassesten Form“, sagte Schröder am Donnerstag in Berlin. Die Bundesregierung habe allerdings nur begrenzte Eingriffsmöglichkeiten bei der Sanierung des Unternehmens, ergänzte der Kanzler.

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) hat – genauso wie zuvor NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau (SPD) – dem Konzern die Hilfe seines Landes angeboten: „Wenn zum Beispiel auf Landes- oder kommunaler Ebene Nutzungs- oder Planungsänderungen nötig werden sollten, würden wir das rasch und unbürokratisch erledigen“, sagte Wolf dem Handelsblatt.

Karstadt-Quelle wollte gestern auf Anfrage keine Stellungnahme zu den Äußerungen aus den Kreisen der Politik abgeben. Vereinte Anstrengungen von Politikern, Karstadt-Managern und Arbeitnehmervertretern bei der Rettung von Arbeitsplätzen wurden gestern von der Gewerkschaft Verdi begrüßt. Die Schuldzuweisungen von Bundeskanzler Schröder nannte eine Verdi- Sprecherin hingegen „wenig hilfreich“.

Tatsächlich ist der Handelskonzern längst auf der Suche nach ganz konkreter Hilfe durch die Banken. Wie Finanzkreise dem Handelsblatt bestätigten, stehen die Chancen des Essener Konzerns gut, seine Kreditlinie von derzeit 1,6 auf 1,75 Mrd. Euro erhöht und zeitlich verlängert zu bekommen. Darauf hätten sich große Teile des Bankenkonsortiums verständigt. Die sieben Kernbanken sind die BayernLB, Dresdner Bank, HVB, WestLB, Helaba, Commerzbank, ABN Amro. Mit etwa 275 Mill. Euro entfällt dabei nach Informationen aus Bankenkreisen das größte Engagement auf die BayernLB. Einwände gegen eine Aufstockung der Kredite hege derzeit vor allem die WestLB.

Sie fordere, dass das gesamte Konsortium, also auch kleinere Geldhäuser wie die türkische Akbank oder die Nord LB, die nur mit geringen Mitteln involviert sind, mitziehen, hieß es. Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann dementierte gestern ein Interesse seines Unternehmens an der Karstadt Hypothekenbank AG. Die Postbank will zwar das Kreditgeschäft ausweiten, denkt dabei aber eher an den Wohnungsbau als an Gewerbe-Immobilien.

Für die lukrative Karstadt-Logistik stehen die Bieter indes Schlange. „Es gibt Interessenten für das Komplettpaket der Logistik“, sagte ein Karstadt-Sprecher dem Handelsblatt. Er bestätigte, dass Gespräche geführt werden. Allerdings wolle Karstadt nur das Transportgeschäft und eventuell noch die Immobilien veräußern, jedoch nicht die Warenwirtschaftssysteme.

Nach Handelsblatt-Informationen ist neben der Deutschen Post auch die Grevener Fiege-Gruppe an einer Komplett-Übernahme interessiert. Die Deutsche Post gilt in Branchenkreisen als Favorit. Etwa jedes sechste Paket, das die Post befördert, kommt von Quelle. Außerdem sitzt Post-Chef Klaus Zumwinkel im Karstadt-Aufsichtsrat und dürfte noch hervorragende Kontakte aus seiner Zeit als Quelle-Chef besitzen. Die Übernahme sei aus Sicht der Post sehr vernünftig, heißt es in Branchenkreisen. Die Post halte damit den hohen Paketumschlag im eigenen Haus. Abgewunken hat indessen die Luxemburger Thiel-Logistik. „Wir sind nicht interessiert“, sagte ein Thiel- Sprecher. Dagegen hat die Grevener Fiege-Gruppe Interesse signalisiert. „Wir sind immer an großen Outsourcing-Partnerschaften interessiert“, bestätigte ein Fiege-Sprecher. Die Karstadt-Spedition Optimus Logistics erzielt mit knapp 300 Mitarbeitern einen Umsatz von 618 Mill. Euro. Der eigene Logistikdienstleister Servicelogiq setzt mit rund 1 000 Mitarbeitern 72 Mill. Euro um.

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