Schrumpfende Margen
Preisschlacht der Pharmahändler

Die Margen im deutschen Pharmagroßhandel schrumpfen, der Preiswettbewerb nimmt zu. Die Politik schränkt den Handlungsrahmen der Unternehmen immer mehr ein. Dazu kommen hausgemachte Probleme: Nach dem Doc-Morris-Kauf verliert Celesio Marktanteile im Stammgeschäft.

FRANKFURT. „Die letzten Gesetzesänderungen lassen uns eigentlich keinen Spielraum für zusätzliche Rabatte an Apotheker“, sagte Wilfried Hollmann, Vorstandschef des fünftgrößten deutschen Pharmagroßhändlers Noweda. Dennoch werde der Wettbewerb in dem 21,5 Mrd. Euro schweren Markt noch immer vornehmlich über die Rabatte ausgetragen.

Der deutsche Pharmagroßhandel wird von einer Hand voll Unternehmen dominiert. Unangefochtener Marktführer ist die Mannheimer Gesellschaft Phoenix Pharmahandel, die zum Merckle-Imperium gehört. Nach Informationen aus der Branche kommt sie auf einen Marktanteil von 28,5 Prozent. Danach folgen Anzag und Gehe vor den Apothekergenossenschaften Sanacorp und Noweda.

Seit der vergangenen Gesundheitsreform dürfen die Pharmahersteller nur noch den Krankenkassen Rabatte gewähren. Damit entfällt für die Grossisten die Möglichkeit, Marktmacht zu bündeln, um Einkaufsvorteile zu erzielen. Wenn ein Apotheker seine Ware direkt beim Hersteller bezieht, bezahlt er denselben Preis wie ein Großhändler.

Da sich die Angebote der Großhändler nur marginal voneinander unterscheiden, sind Rabatte an die Apotheker für sie trotzdem die wichtigste Waffe im Kampf um Marktanteile. „Das hat zum Teil schon ein ungesundes Niveau erreicht“, sagt Hollmann. Anzag-Chef Thomas Trümper sprach sich kürzlich in einem Interview mit der „Börsenzeitung“ sogar dafür aus, dass der Gesetzgeber den Grossisten verbietet, den Apotheken Rabatte zu gewähren.

Celesio, der Mutterkonzern des Stuttgarter Großhändlers Gehe, rechnet fest damit, dass die bislang geltenden Marktbeschränkungen für Apotheken fallen, und will die erste Apothekenkette Deutschlands aufbauen. Schon jetzt betreibt das Unternehmen mehr als 2 000 Apotheken in Großbritannien und den Niederlanden. Die Margen in diesem Geschäft sind um ein Vielfaches höher als im Großhandel.

Um in Deutschland mit einer bekannten Marke an den Start gehen zu können, hat Celesio vor einigen Monaten für geschätzte 200 Mill. Euro die frühere Internetapotheke Doc Morris übernommen. Wenn der Europäische Gerichtshof (EuGH) die deutschen Gesetze zum Schutz der unabhängigen Apotheken kippt, will das Unternehmen seine Kette eröffnen.

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