Schrumpfkur beim Ferienpionier Club Med
Cluburlaub bereitet Tui noch Freude

Während in nahezu allen Bereichen des Touristikgeschäfts die Preise purzeln, ist die Urlaubswelt bei der Tui-Tochter Robinson Club noch in Ordnung: „Unsere Preise sind stabil. Wir würden nicht auf die Idee kommen, über den Preis zu verkaufen“, sagte Karl J. Pojer, Chef der Tui-Sparte Hotels & Resorts, dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF/PARIS. Die 25 Ferienanlagen des Robinson Clubs mit jährlich 300 000 Gästen und knapp 200 Mill. Euro Umsatz zählen im Moment zu den wenigen Perlen im Portfolio des deutschen Reisekonzerns. Wirtschaftsflaute, Terrorismus, Irak-Krieg und zuletzt die Lungenseuche SARS haben zwar weite Teile des Tui-Konzerns in die Krise gestürzt, nicht aber die Robinson Clubs. An denen geht der Nachfrageeinbruch bisher vorüber: „Auch wir haben zwar die Nachwehen von Krieg und Terror in Clubs in der Türkei oder Tunesien gespürt. Doch wenn wir von weiteren Katastrophen verschont bleiben, schafft die Robinson-Sparte einen Umsatz auf Vorjahreshöhe“, glaubt Pojer.

Während die Mutter Tui einen harten Sparkurs fährt und konzernweit 2 000 Mitarbeiter abbaut, dürfen die Robinson Clubs weiter expandieren. Nach fast zweijähriger Bauzeit wird morgen der Club Cala Serena auf Mallorca mit einem 2 000 qm großen Wellness-Bereich wiedereröffnet. Das Tui-Management ließ die Anlage für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag komplett neu aufbauen. Weitere fünf Anlagen in Österreich, Spanien, Portugal, Marokko und auf den Malediven sind in Planung.

Beim französischen Konkurrenten Club Méditeranée wird derweil kräftig abgebaut. Die Schließung unrentabler Clubs und die Auffrischung der Marke sollen dem angeschlagenen Ferien-Pionier die Wende bringen. Der Umsatz des weltweit bekannten Ferien-Riesen knickte bereits 2002 um mehr als 12 % auf 1,7 Mrd. Euro ein und ist auch im laufenden Jahr weiter rückläufig. Zwar erklärte der neue Vorstandschef Henri Giscard d'Estaing kürzlich, in Asien, Europa und Amerika schreibe der Konzern wieder operativ schwarze Zahlen. Der Nettoverlust fiel in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs mit 436 Mill. Euro allerdings noch höher aus als 2002 (- 421 Mill. Euro).

Die Unternehmensberatung Mercer zählt Club Med in ihrer jüngsten Touristikstudie zu den Unternehmen, denen auf mittlere Sicht eine Übernahme oder Zerschlagung drohe. Auch in Frankreich vermuten Analysten, dass die italienische Industriellenfamilie Agnelli, die 33 % der Stimmrechte an Club Med hält, eine Exit-Strategie für ihr Investment suche. Das neue Management solle den Ferienpionier für einen Verkauf hübsch machen, heißt es. Eine Langfrist-Strategie, um Club Med nachhaltig auf die Beine zu helfen, vermissen viele Experten: Sebastien Valentin, Analyst bei CDC Ixis Securities, bemängelt vor allem die geographisch schwache Aufstellung des Konzerns. „In Spanien, wo der Tourismus ordentlich läuft, ist der Club nicht vertreten“, sagte er. Die starken Club-Med-Regionen wie Nordafrika oder Asien hätten dagegen schwer unter Terror, Krieg und SARS zu leiden.

Europas Marktführer Tui gilt als potenzieller Übernehmer des französischen Patienten. „Es gibt keine aktuellen Gespräche“, betont zwar Robinson-Chef Pojer. Doch so ganz ist das Interesse der Tui nicht zu leugnen. Pojer: „Es gibt da schon viele gute Betriebe bei Club Med.“

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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