Schuhhändler sucht Geldgeber
Reno will sich verkaufen, um stärker zu werden

Der zweitgrößte deutsche Schuhhändler Reno sucht einen Investor – um sich dann selber in Übernahmen zu stürzen. Online-Händler wie Zalando setzen die Branche unter Druck. Schlägt jetzt Konkurrent Deichmann zu?

DüsseldorfAuf den ersten Blick klingt es widersinnig: Deutschlands zweitgrößter Schuhhändler Reno will eine führende Rolle spielen bei der Konsolidierung der Branche – und stellt sich erst einmal selber zum Verkauf. „Wir wollen weiter wachsen und dabei auch Konkurrenten übernehmen“, sagt Vorstandschef und Mitgesellschafter Matthias Händle dem Handelsblatt. „Doch dafür brauchen wir eine andere Gesellschafterstruktur.“

Die Gesellschafter der HR Group, zu der neben Reno auch der Schuh-Großhändler Hamm gehört, haben das Bankhaus Rothschild beauftragt, Investoren zu suchen. Angesprochen werden sollen sowohl Finanzinvestoren als auch strategische Interessenten. Die Gruppe gehört jeweils zu 50 Prozent dem ehemaligen Metro-Vorstand Stefan Kaske und der Familie Hamm.

Vor einem Jahr bereits hatte die HR Group versucht, den Konkurrenten Ludwig Görtz zu übernehmen, war aber vom Finanzinvestor Afinum ausgestochen worden. Damals war die Überzeugung gereift, dass die Gruppe mit einem potenten Großeigner schlagkräftiger bei künftigen Übernahmen wäre.

Zugleich ist im Moment die Situation im Finanzmarkt günstig für einen Verkauf. Angesichts der niedrigen Zinsen und des reichlich verfügbaren Kapitals suchen zahlreiche Investoren nach attraktiven Übernahmeobjekten. „Die HR Group bietet einem Käufer eine gute Wachstumsstory“, sagt Händle. Der Verkauf soll zügig abgewickelt werden, bis Ende des Jahres soll der Kaufvertrag unterschrieben sein.

Als Interessenten gelten Konkurrenten wie der Marktführer Deichmann oder der polnische Schuhdiscounter CCC, der eine aggressive Expansion auf dem deutschen Markt angekündigt hat. In Frage kommen aber auch Finanzinvestoren, die im Einzelhandel engagiert sind, wie etwa Blackstone, Apax oder Permira.

Schuhfilialisten
Die größten Ketten

in Deutschland nach Zahl der Geschäfte 2014, teilweise geschätzt

Die Schuhbranche erlebt zurzeit einen dramatischen Umbruch. Spätestens seit dem Start des Online-Schuhhändlers Zalando im Jahr 2008 mussten immer mehr kleinere und mittlere Schuhhändler aufgeben. So sank die Zahl der Betriebe in Deutschland in diesem Zeitraum von 5400 auf 4500.

Viele Kunden wanderten ins Netz ab. Nach Berechnungen des Instituts für Handelsforschung stieg der Online-Umsatz mit Schuhen in Deutschland Jahr für Jahr mit zweistelligen Wachstumsraten von 233 Millionen Euro im Jahr 2008 auf mehr als 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2014. Damit macht er schon mehr als 20 Prozent des gesamten Umsatzes in der Branche aus.

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Online-Wachstum auf Kosten von Filialen

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