Schutzzölle
Handelsstreit spaltet Schuhbranche

Der Konflikt um den dramatischen Anstieg der Schuhimporte aus China in die Europäische Union droht zu eskalieren. Gegen die von EU-Handelskommissar Peter Mandelson nach Protesten traditioneller europäischer Schuhhersteller geplanten Importzölle laufen europäische Schuhimporteure und -einzelhändler Sturm.

HB DÜSSELDORF. „Die Schutzzölle führen zu höheren Preisen und gefährden Tausende von Arbeitsplätzen im Handel“, sagte Heinrich Deichmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Europas größtem Schuheinzelhändler Deichmann, dem Handelsblatt.

Drei Monate nach Ende des Textilstreits kocht damit erneut ein Handelsstreit zwischen der EU und China hoch. Wie bei Textilien explodierten mit dem Wegfall der Einfuhrquoten Ende 2004 auch die Schuhimporte aus China in die Union. Allein Deutschland verzeichnete in den ersten acht Monaten des Jahres ein Plus von 132 Prozent. Andere EU-Länder meldeten ähnliche Zuwachsraten.

Mitte Juli äußerte der Verband der Europäischen Schuhindustrie (Cec) den Verdacht, dass China und Vietnam Schuhe unter Wert anbieten. Die Europäische Kommission leitete daraufhin eine Antidumpinguntersuchung ein. Eine Entscheidung über Einfuhrzölle von bis zu 30 Prozent oder andere Hemmnisse erwarten Branchenbeobachter Mitte Januar. In Kraft treten würden die Sanktionen wahrscheinlich zum 1. April 2006.

Die möglichen Schutzzölle spalten die Branche. Während traditionelle Hersteller aus Süd- und Osteuropa für allgemeine Zölle kämpfen, lehnen nord- und westeuropäische Schuhproduktions- und -vertriebsunternehmen diese ab. „Die Branche würde für das Fehlverhalten Einzelner global bestraft“, sagt Philip Urban. Als Präsident des Hauptverbands der Deutschen Schuhindustrie (HDS) vertritt Urban die Interessen von Schuhmarkenunternehmen wie Ara, Gabor, Lloyd und Rieker. Wie ihre nord- und westeuropäischen Kollegen hat sich auch die deutsche Branche in den vergangenen Jahren gewandelt und die arbeitsintensive Schuhproduktion verlagert. „Durch die Einfuhrzölle kehrt kein einziger Arbeitsplatz in die Union zurück“, sagt Urban. Die Importe würden lediglich über Drittstaaten wie Indien und Bangladesch umgeleitet.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine vom Verband der europäischen Schuhimporteure und -einzelhändler (Fair) in Auftrag gegebene Prognos-Studie. In dem Papier heißt es, dass Antidumpingmaßnahmen europaweit 10 000 Arbeitsplätze bedrohen und Schuhe um bis zu drei Prozent verteuern würden. Mit 2 500 Stellen am stärksten betroffen wäre der deutsche Einzelhandel. Zudem wären Insolvenzen und Geschäftsaufgaben zu befürchten. Händler und Importeure könnten mit ihren für die Schuhbranche charakteristisch langen Beschaffungsrhythmen von sechs bis acht Monaten nicht zeitnah reagieren.

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