Schwache Bilanz
Tui schließt rabenschwarzes Jahr

Schwache Zahlen und Ärger mit dem Großaktionär John Fredriksen drücken die Stimmung. Nur ein Sondereffekt kann das Schlimmste in der Bilanz kaschieren. Europas größter Touristikkonzern ist vom Geldverdienen weit entfernt. Was das Unternehmen verspricht - und was Analysten davon halten.
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DÜSSELDORF. Europas größter Touristikkonzern Tui hakt ein rabenschwarzes Jahr ab. Morgen wird Konzernchef Michael Frenzel bei der Präsentation der Bilanz zwar einen Nettogewinn von einer knappen Milliarde Euro verkünden, doch dieser ist - so Analysten - ausschließlich auf den im Frühjahr unter erheblichen Mühen vollzogenen Teilverkauf der Schifffahrtssparte zurückzuführen: Es ist die erste Kaufpreis-Rate als Buchgewinn.

Ob weitere Erlöse folgen, gilt als fraglich. Denn die im Konzern verbliebenen 43 Prozent der in schwere Seenot geratenen Container-Reederei Hapag-Lloyd machten im Laufe des Jahres bei Tui und dem Konsortium Albert Ballin als neuem Miteigentümer Milliardenverpflichtungen erforderlich, von denen unklar ist, ob und wie sie zurückgezahlt werden. Auch im Kerngeschäft Touristik ist Tui vom Geldverdienen immer noch weit entfernt.

Die Tui-Bilanz 2009 resümiert lediglich ein Rumpfgeschäftsjahr von Januar bis September. Nach dem Reederei-Verkauf passt die im vorigen Jahr aus dem Dax geflogene und in den MDax übergesiedelte Tui ihre Buchführung an die Gepflogenheiten in der Touristik an. Dort bilanzieren die meisten Unternehmen das im Oktober beginnende touristische Geschäftsjahr, das mit der Wintersaison beginnt und nach der Sommersaison endet. Das sei einerseits zwar konsequent, kommentieren Branchenkreise. Andererseits mache der Wechsel der Bilanzperiode das ohnehin komplexe Zahlenwerk noch ein Stück schwerer vergleichbar, als es ohnehin schon sei.

Hohes Darlehen für Hapag-Lloyd

Die Abspaltung der zuvor noch als besonders zukunftsträchtig eingeschätzten Schifffahrtssparte hatte Frenzel im Frühjahr 2008 eingeleitet. Auf Betreiben seines Großaktionärs John Fredriksen hatte der Tui-Chef einen Käufer gesucht. Nach weltweiten Kontakten blieb zum Beginn der Wirtschaftskrise nur das Hamburger Konsortium übrig. Ihm gehören die Stadt Hamburg, der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, die HSH-Nordbank, die Warburg-Bank sowie die Versicherungen Signal Iduna und Hanse Merkur an.

Das Geschäft kam erst in diesem Frühjahr zustande. Schon wenig später mussten die Gesellschafter hohe Beträge zuschießen, um das Überleben von Hapag-Lloyd zu sichern. Allein Tui steckte über Darlehen rund 2,5 Milliarden Euro in die einstige Tochter. Nach einigem Hin und Her übernahmen die Stadt Hamburg und der Bund in diesem Herbst eine Staatsbürgschaft über 1,2 Milliarden Euro, die der fünftgrößten Container-Reederei der Welt neuen finanziellen Spielraum einräumen kann.

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