Schwache Sommerbuchungen
Tui verwirrt Aktienmarkt mit undurchsichtiger Bilanz

In der Touristik lief das Geschäft nach Angaben vom Dienstag schwächer als im Vorjahr, in der Schifffahrt trübten gesunkene Frachtraten im Asien-Verkehr die Bilanz. Für das Sommergeschäft in der Touristik, das bislang kaum Zuwächse zeigt, hofft Europas Reisemarktführer nach der Fußball-Weltmeisterschaft auf Nachholeffekte.

HB FRANKFURT. Von Januar bis März fielen die operativen Verluste auf den ersten Blick deutlich geringer aus als vom Finanzmarkt erwartet. Die Tui-Aktie legte deshalb zeitweise um bis zu drei Prozent zu. Allerdings kritisierten Analysten, dass das bereinigte operative Ergebnis nicht um alle Sondereffekte bereinigt war. Eigentlich ist im ersten Quartal noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht.

Tui wies einen operativen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 169 Mill. Euro aus. Das waren 19 Prozent mehr als im Vorjahr, aber weit weniger als die Experten prognostiziert hatten. Das Ebita enthielt aber auch 41 Mill. Euro aus dem Verkauf des ehemaligen Bergwerksgeländes „Schacht Konrad“ in Salzgitter, wo ein Atommüllendlager entstehen soll. Ohne diesen Erlös beliefe sich der operative Verlust auf 210 Mill. Euro. TUI-Finanzvorstand Rainer Feuerhake erklärte, Tui bereinige generell nur Einmalerträge aus dem operativen Geschäft, nicht aber Erlöse aus Immobilienverkäufen.

Im Reisegeschäft blieb der Umsatz mit gut 2,5 Mrd. Euro auf Vorjahresniveau. Die Touristiksparte vergrößerte den im ersten Quartal üblichen operativen Verlust um 25 Prozent auf 227 Mill. Euro. Dieser Verlust wurde gemindert durch den Erlös von 144 Mill. Euro aus dem Verkauf der Geschäftsreisetochter TQ3. Der Konzernumsatz stieg durch die Übernahme der kanadischen Reederei CP Ships um 25 Prozent auf 4,48 Mrd. Euro.

„Die Zahlen sehen auf den ersten Blick sehr gut aus. Doch wenn man alle Sondereffekte herausrechnet, ist die operative Entwicklung nicht unbedingt positiv“, sagte Analyst Eggert Kuls vom Bankhaus MM Warburg. „Man muss sehr genau hinschauen“, sagte Hartmut Moers von Sal. Oppenheim. „In den operativen Bereichen ist Tui nahezu überall unter unseren Erwartungen geblieben.“ Christian Obst von der HVB rechnet mit einer besseren Entwicklung im Laufe des Jahres. „Ich denke, es ist für Tui in der Touristik wie in der Containerschifffahrt das mit Abstand schlechteste Quartal in diesem Jahr.“ Positiv schlage zu Buche, dass die Integration von CP Ships schneller vorankomme und die Synergieeffekte von 2008 an mit 220 Mill. Euro größer sein sollen als erwartet.

Die Frachtraten bei Hapag-Lloyd im Asienverkehr sind noch unter Druck, sollen sich aber wieder verbessern. Die Hamburger Traditionsreederei schrieb Feuerhake zufolge deutlich weniger Gewinn als im Vorjahr, während die neue Tochter CP Ships das Ergebnis verbessert habe. Die Schifffahrtssparte rutschte wegen der Integrationskosten nach der Übernahme mit 25 Mill. Euro dennoch in die roten Zahlen.

In der Touristik liegen die gebuchten Umsätze bei Tui für die Sommersaison 2006 erst 0,9 Prozent über Vorjahr. Im März hatte Tui noch zwei Prozent Zuwachs. Im Heimatmarkt Deutschland macht der Reisekonzern derzeit zwei Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Zweistellig über Vorjahr liegt das Geschäft dagegen in Skandinavien, Belgien, Schweiz und Osteuropa. In der Wintersaison 2005/06 steigerte Tui den Reiseumsatz um 3,1 Prozent. Ziel für dieses Jahr bleibe ein Umsatzzuwachs im Reisegeschäft um mehr als fünf Prozent auf 15 Mrd. Euro, in der Schifffahrt auf sieben Mrd. Euro, teilte Tui mit. Das verbesserte Ergebnis in der Touristik sollen in erster Linie die eingeleiteten Sparmaßnahmen und veränderten Geschäftsabläufe bringen.

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