„Schwaches Licht am Ende des Tunnels“
Stinnes-Kauf verleiht dem Umsatz der Deutschen Bahn Flügel

Die Deutsche Bahn kommt trotz der massiven Probleme mit ihrem inzwischen geänderten Preissystem langsam wieder in Fahrt. Allerdings muss sie vor allem im Personenverkehr noch einen erheblichen Rückstand aufholen.

HB/dpa BERLIN. In den ersten sechs Monaten konnte der bundeseigene Verkehrskonzern den Umsatz auf insgesamt knapp 14 Mrd. € steigern. Der Betriebsverlust nach Steuern wurde auf 143 Mill. € verringert, wie die Deutsche Bahn AG am Donnerstag in Berlin mitteilte. Im ersten Halbjahr 2002 gab es noch ein Minus von 235 Millionen.

Konzernchef Hartmut Mehdorn äußerte sich insgesamt zufrieden. Angesichts der schwachen Konjunktur liege die Bahn „gut auf Kurs“. Die größten Sorgen bereitet Mehdorn weiterhin der Personenfernverkehr, wo der Umsatz um 13,1 % auf 1,436 Mrd. € zurückging. Die Hoffnung ruht nun auf der wieder eingeführten Bahncard mit einer Ermäßigung von 50 %. Bis Donnerstag wurden davon rund 200 000 Exemplare verkauft. Verlässliche Zahlen zur Entwicklung der Fahrgastzahlen gibt es noch nicht.

Die Zahlen der ersten Halbjahre 2002 und 2003 lassen sich nur bedingt vergleichen, weil die Bahn in der Zwischenzeit den Logistikkonzern Stinnes hinzu gekauft hat. Deshalb stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um enorme 82 % auf 13,995 Milliarden. Davon entfielen allerdings 6,1 Mrd. allein auf Stinnes. Ohne Stinnes ergab sich ein Umsatzplus von 2,3 % auf 7,9 Mrd. €. Zum Ergebnis trug der Logistikkonzern 129 Mill. € bei.

Rückgang im Personenfernverkehr

Die größten Probleme hat die Bahn im Personenfernverkehr, wo sie wegen des Preissystems über das gesamte erste Halbjahr hinweg massiv in der Kritik stand. In dieser Sparte fuhr sie bei einem Umsatz von 1,436 Mrd. € einen Verlust von 266 Mill. € ein. Bei Einbeziehung von konzerninternen Umsätzen ergibt sich nach dpa- Informationen eine Abweichung von 400 Mill. € zum konzerninternen Plan. Die Zahlen liegen zudem um etwa 240 Mill. € unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Auf den Ärger um das Preissystem ging Bahnchef Mehdorn in seiner Halbjahresbilanz nicht mehr ein. Er erinnerte an die schwache Konjunktur sowie die gestiegene Konkurrenz durch die Billigflieger. Zugleich verwies er auf den Regionalverkehr, wo die DB Regio den Umsatz auf mehr als vier Mrd. € steigern konnte. Die gesamte Verkehrsleistung im Personenverkehr ging um 1,2 % auf 33,9 Mrd. Personenkilometer zurück.

Die Verkehrsleistung im Schienengüterverkehr blieb mit 38,9 Mrd. Tonnenkilometern im Vergleich zum ersten Halbjahr 2002 nahezu unverändert. Der Umsatz dieser Sparte lag mit 1,94 Mrd. um nahezu sechs Prozent im Plus. Auch in den Bereichen Personenbahnhöfen Dienstleistungen und Fahrweg gab es Zuwächse. Die Brutto-Investitionen der Bahn gingen dagegen auf 3,2 Mrd. € zurück. Insgesamt beschäftigt der Konzern derzeit rund 250 000 Mitarbeiter.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, wertete die Halbjahresbilanz als „schwaches Licht am Ende des Tunnels“. Allerdings müsse für eine zuverlässige Einschätzung das Jahresende des Jahres abgewartet werden, wenn die Auswirkungen des neuen Preissystems zu erkennen seien. Die Probleme im Fernverkehr seien nach wie vor „gravierend“, erklärte Hansen. Das „Gerede“ über einen Börsengang der Bahn im Jahr 2005 müsse deshalb schnell beendet werden.

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