Schwächeres Wachstum
Ikea-Boom in Deutschland flaut ab

Auch im vergangenen Jahr konnte der Möbelhändler Ikea in Deutschland ein leichtes Umsatzplus verzeichnen. Von einem Boom ist in den 46 Filialen jedoch nichts mehr zu spüren.
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Hofheim-WallauDer Möbelhändler Ikea tut sich zunehmend schwer bei der Suche nach neuen Standorten. Insbesondere die restriktive Haltung von Behörden in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zu neuen, großflächigen Märkten außerhalb der Innenstädte erschwere die Expansion, sagte der Chef von Ikea Deutschland, Peter Betzel, am Montag in Hofheim bei Frankfurt. „Das Geschäft ist sehr schwierig, selbst wenn die lokalen Behörden uns wollen.“ An der Nachfrage seitens der Kunden fehle es nicht: Er sehe im Inland durchaus Potenzial für 20 bis 25 weitere Einrichtungshäuser zusätzlich zu den bereits 46 vorhandenen.

Im Geschäftsjahr 2013, das am 31. August endete, hat Ikea in Deutschland keinen weiteren Markt eröffnet. Im laufenden Jahr sollen neue Häuser in Hamburg-Altona mit einem City-Sortiment und in Lübeck erstmals mit einem separaten Shopping-Center eröffnen. Die nächsten Projekte seien dann 2015 Bremerhaven und Kaiserslautern. Weiße Flecken auf der Ikea-Landkarte gibt es vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, aber auch im südhessischen Darmstadt würde das Unternehmen nach Betzels Worten gerne bauen. An seinen Standorten will das Möbelhaus zunehmend auch als Vermieter weiterer Einzelhandelsflächen auftreten.

Im Geschäftsjahr 2013 sei der Umsatz in Deutschland um 2,8 Prozent auf 3,99 Milliarden Euro gewachsen, berichtete das Unternehmen. Der Marktanteil sei um 0,4 Punkte auf 13,2 Prozent gewachsen. Im Schnitt gab jeder Kunde 82,84 Euro pro Einkauf aus. Deutschland ist mit einem Anteil von 15,1 Prozent weiterhin der weltweit größte Einzelmarkt des in Schweden gegründeten Unternehmens, das von einer niederländischen Holding gesteuert wird.

„In den nächsten Jahren“ wolle man den Umsatz in Deutschland auf 8 Milliarden Euro verdoppeln, sagte Betzel. Einen Anteil von bis zu zehn Prozent soll dabei der lange vernachlässigte Onlinehandel bringen, der 2013 nur 92 Millionen Euro oder rund 2,5 Prozent zum Umsatz beitrug. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das ein Plus von 26,8 Prozent. „Das ist ein wachsender Markt, an den wir glauben“, sagte der Ikea-Chef. Der Internet-Handel mit Möbeln werde stärker wachsen als der stationäre Bereich.

Unter anderem sei bereits das Online-Sortiment erweitert worden und enthalte nun 7200 von 9500 in den Häusern feilgebotenen Artikeln. Neben einem besseren Zugang zum Online-Shop habe Ikea auch seine Lieferpauschale gesenkt. Gleichwohl müsse es für die Kunden immer der billigste Weg bleiben, im Einrichtungshaus die Waren abzuholen und dann selbst aufzubauen. „Unsere Besucher sollen keine Nachteile haben.“

Zum Gewinn äußerte sich der Deutschland-Chef unter Verweis auf die Bilanz des Gesamtunternehmens im Januar nur vorsichtig. Man sei nicht unzufrieden und strebe auch im kommenden Jahr ein Umsatzwachstum zwischen 3 und 4 Prozent an. Dazu soll auch ein neues Bonussystem beitragen, mit dem Belegschaften sich ein 14. Monatsgehalt dazuverdienen können, wenn sie bestimmte Ziele erreichen.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr hatte ein Rückruf bei der Möbelkette für Aufsehen gesorgt. Die „Köttbullar“-Fleischbällchen hatte Ikea im Februar für einige Wochen aus dem Verkehr gezogen, da in einzelnen Proben Pferdefleisch festgestellt worden war.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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