Schwan-Stabilo: Aus Freude am Malen

Schwan-Stabilo
Aus Freude am Malen

Kosmetikstifte, Füller, Regenjacken und Rucksäcke. Dem fränkischen Mittelständler Schwan-Stabilo ging es in seiner 161-jährigen Firmengeschichte noch nie so gut. Doch die Umsatzbringer sind nicht etwa die Stifte.

HeroldsbergAußen schwarz, innen grasgrün und leuchtend orange: In seinem neuen Verwaltungsgebäude hat sich das fränkische Familienunternehmen Schwan-Stabilo architektonisch selbst verwirklicht. Die satten Farben des wuchtigen Quaders passen perfekt zum Geschäft des Mittelständlers aus Heroldsberg. Alles, was Schwan-Stabilo macht, ist irgendwie bunt. Die Kosmetikstifte, die Füller, die Regenjacken und sogar die Rucksäcke.

Das ebenso farbige wie diverse Geschäft läuft ausgesprochen gut: Im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr verzeichnete die Firma ein Umsatzplus von gut 17 Prozent und 707 Millionen Euro. Ein neuer Rekord. „Wir hatten ein wunderbares Jahr“, sagte Stabilo-Chef und Mit-Eigentümer Sebastian Schwanhäußer am Mittwoch.

Zum Ergebnis machte der Unternehmer keine Angaben. Finanzchef Martin Reim sprach lediglich von einem Gewinn, der zufriedenstellend sei und höher als im vorangegangenen Geschäftsjahr. Die Eigenkapitalquote sei von 49 Prozent auf knapp 51 Prozent geklettert.  

Auch wenn viele den Konzern aus ihrer Schulzeit in Form von Buntstiften kennen: Das meiste Geld verdient die 161 Jahre alte Firma damit, Farbe in Gesichter zu bringen. Gut die Hälfte des Umsatzes stammt aus der Kosmetiksparte. Es hat allerdings einen Grund, dass die Firma nur in Fachkreisen bekannt ist. Die Firma vertreibt ihre Eyeliner und Lippenstifte nicht unter eigenem Namen. Stattdessen liefern die Franken an große Labels der Kosmetikindustrie wie Avon, Revlon, LVMH oder Procter & Gamble.

Für den Mittelständler aus dem Großraum Nürnberg ist die Kosmetik nicht nur wesentlich wichtiger als Buntstifte. Vor allem aber wächst die Sparte viel stärker. Im vergangenen Geschäftsjahr kletterten die Erlöse von diesem Bereich um gut 14 Prozent. Das Geschäft mit Textmarkern und Filzstiften legte um rund neun Prozent zu.

Das ist freilich wesentlich mehr, als in den vergangenen Jahren. Und das liegt vor allem daran, dass die Menschen das Malen wieder entdecken. Bücher mit Vorlagen zum Ausmalen sind schwer in Mode. Schwan-Stabilo verkauft inzwischen komplette Sets mit Stiften und Malbüchern. Allerdings lässt die digitale Welt auch einen Stifthersteller nicht kalt. Die Firma stellt schon seit einiger Zeit kleine Videos ins Netz, in denen Eltern erklärt wird, wie sie ihren Kindern das Malen beibringen.

Zu dem kräftigen Umsatzplus im abgelaufenen Geschäftsjahr trug maßgeblich die dritte und jüngste Säule des Konzerns bei, die Outdoor-Sparte. Seit zehn Jahren gehört bereits der Augsburger Rucksackspezialist Deuter zur Gruppe. Im Sommer 2011 übernahm die Firma dann den bayerischen Skitourenspezialisten Ortovox.

Vor Jahresfrist kam schließlich Maier Sports dazu, ein schwäbischer Hersteller von Wander- und Skibekleidung, sowie die Radbekleidungsmarke Gonso. Damit ist der Sport noch wichtiger für die Gruppe geworden. Die vier Labels sorgten für 157 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ohne die Akquisition wären die Erlöse des Bereichs um zehn Prozent geklettert. 

Der gute Lauf aus dem vergangenen Geschäftsjahr, der werde sich fortsetzen, heißt es in  Heroldsberg. Finanzchef Reim: „Wir planen mit einem Umsatzplus im mittleren einstelligen Bereich.“ Das ist fränkisch konservativ, denn auch im Vorjahr waren fünf Prozent die Maßgabe. Am Ende erreichte das Familienunternehmen mehr als das Dreifache.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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