Schwarze Konten
KPMG gerät in Strudel der Siemens-Affäre

Im Zuge der Schwarzgeldaffäre bei Siemens hat auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Besuch von der Staatsanwaltschaft bekommen. Sie hat Büros durchsucht.

HB MÜNCHEN. „KPMG bestätigt, im Zusammenhang mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München als Zeuge aufgesucht worden zu sein. Diese Ermittlungen richten sich ausdrücklich nicht gegen KPMG“, sagte eine Sprecherin der Prüfungsfirma am Montag. Weitergehende Stellungnahmen lehnte sie mit Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht ab.

Das Magazin berichtete unter Berufung auf Insider, KPMG sei bei Buchprüfungen mehrfach auf verdächtige Geldströme gestoßen und habe diese dem Unternehmen gemeldet. „Diese Vorgänge sind uns so nicht geläufig“, sagte ein Siemens-Sprecher auf Anfrage.

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ hatte unter Berufung auf Insider berichtet, KPMG sei bei Buchprüfungen mehrfach auf verdächtige Geldströme gestoßen und habe diese dem Unternehmen gemeldet. „Diese Vorgänge sind uns so nicht geläufig“, sagte ein Siemens-Sprecher auf Anfrage.

Die Münchener Strafverfolger ermitteln seit Mitte November gegen ein Dutzend Beschuldigte wegen des Vorwurfs der Untreue. Mehrere Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Ehemalige und aktive Siemens-Mitarbeiter sollen rund 200 Mill. Euro abgezweigt und in schwarze Kassen im Ausland geleitet haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass das Geld in der Vergangenheit vor allem von Mitarbeitern der Telekommunikationssparte Com für Schmiergeldzahlungen verwendet worden sind. Die Behörden wollen Anfang der Woche über den Ermittlungsstand berichten.

Eingreifen der US-Amerikaner droht

Die nationale könnte sich rasch zur internationalen Affäre ausweiten. Es gilt unter Fachleuten als wahrscheinlich, dass auch die US-Justizbehörden gegen Siemens ermitteln, gleichwohl es dazu noch keine offizielle Verlautbarung gibt. Die Fachleute stützen sich in ihren Einschätzungen unter anderem auf einen ähnlichen Korruptionsfall bei Daimler-Chrysler. Dort untersuchen die US-Behörden seit zwei Jahren Schmiergeldzahlungen und schwarze Kassen. Siemens drohen daher nicht nur Strafen in Millionenhöhe, sondern vor allem ein empfindlicher Imageverlust auf einem wichtigen Markt.

Siemens ist seit fünf Jahren an der New York Stock Exchange gelistet. Ausländische Unternehmen, deren Aktien an einer US-Börse notiert sind, bürgen dafür, dass ihre Bilanzzahlen akkurat sind und die Investoren umgehend über wichtige Vorkommnisse unterrichtet werden. „Wenn die Schmiergeldzahlungen nicht als solche deklariert wurden, dürften die Bücher einige Unstimmigkeiten aufweisen“, sagt John Coffee. Der Professor an der Columbia University in New York gilt als der führende Fachmann für Wertpapierrecht in den USA. Ein Kontrollfehler in der internen Rechnungslegung führe in der Regel dazu, dass die SEC eingreife, sagt Coffee. Zu klären sei außerdem, ob die Bilanzen bewusst manipuliert worden seien. Ein langjähriger Spitzenmanager von Siemens sagte dem Handelsblatt, er rechne fest mit einem Eingreifen der SEC. Die Behörde könne gar nicht anders, als sich der Sache anzunehmen.

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