Schwedische Modekette strebt weg vom Billig-Image
H&M will keine geizigen Kunden

Die weltgrößte Bekleidungskette H&M wächst und wächst - und will sich dabei neu erfinden. Weg vom Billig-Image, lautet die Devise. Dafür haben die Schweden Stardesigner angeheuert.

STOCKHOLM. Rolf Eriksen wird heute besonders nervös sein. Der Chef der schwedischen Modekette Hennes & Mauritz (H&M) möchte unter allen Umständen vermeiden, dass es vor den 400 H&M-Läden in 22 Ländern, die vom heutigen Donnerstag an die Kollektion der britischen Stardesignerin Stella McCartney verkaufen, zu tumultartigen Szenen kommt.

Nachdem es vor einem Jahr, als der für preiswerte Bekleidung bekannte Konzern erstmals mit Karl Lagerfeld den Weg in die modische Oberklasse suchte, zu Menschenaufläufen kam, so dass Sicherheitskräfte vor einigen Geschäften für Ruhe und Ordnung sorgen mussten, will man dieses Mal auf Nummer sicher gehen. Denn die weltgrößte Modekette möchte sich ihres Billig-Image endgültig entledigen.

„Die Kunden sind bereit, für mehr Qualität auch mehr zu zahlen“, sagt H&M-Chef Rolf Eriksen in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Er gibt zu, dass die limitierten Kollektionen von Lagerfeld und McCartney für den Imagewechsel des Konzerns äußerst hilfreich sind. Tumulte wie im vergangenen Jahr würden deshalb das Bild stören.

„Wir haben aus den Erfahrungen gelernt“, versichert Eriksen. Man habe einige Geschäfte ausgewählt, um die dieses Mal nur für die weibliche Kundschaft zugeschnittene Stella McCartney-Kollektion aus 30 Teilen anzubieten, sagt der H&M-Chef. Viel darf auch nicht mehr schief gehen mit der Kampagne für die neue Kollektion, die nach Expertenschätzungen mindestens 15 Mill. Euro gekostet hat. Immerhin musste H&M vor anderthalb Monaten die bereits fertig produzierte Werbekampagne mit dem britischen Supermodel Kate Moss Hals über Kopf einstampfen, nachdem die Boulevardpresse in Großbritannien das hagere Kult-Model bei der Einnahme von Kokain fotografiert hatte. Ein sniffendes Topmodel passt aber nicht zum Saubermann-Image des schwedischen Konzerns. „Wir haben nach unseren Wertvorstellungen gehandelt: H&M trat schon immer aktiv gegen Drogen ein“, begründet Eriksen das Kündigungsschreiben an Moss.

Für den Modekonzern mit einem Jahresumsatz von umgerechnet fast 6,5 Mrd. Euro und einem Vorsteuergewinn von 1,1 Mrd. Euro sind die Designer-Kollektionen „eine Ergänzung zu unserem Sortiment“, wie es Eriksen ausdrückt. Über Geld spricht man nicht, und deshalb will er auch nicht sagen, welchen Anteil die Sonderkollektionen am Gesamtumsatz haben. „Wir wollen Geld verdienen, und das gilt auch für diese Kollektionen“, sagt er. Analysten bestätigen, dass die Sonderkollektionen finanziell keine größere Rolle spielen, aber wichtig für das Image sind.“

Seite 1:

H&M will keine geizigen Kunden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%