Schweizer Einzelhändler greift auf Aldis Heimatmarkt an
Migros plant Läden in Deutschland

Im Kampf zwischen dem deutschen Discounter Aldi, der in dieser Woche seine ersten Läden in der Schweiz eröffnet, und seinem größten Schweizer Konkurrenten Migros ist eine neue Runde eröffnet.

ZÜRICH. Im Kampf zwischen dem deutschen Discounter Aldi, der in dieser Woche seine ersten Läden in der Schweiz eröffnet, und seinem größten Schweizer Konkurrenten Migros ist eine neue Runde eröffnet: Der neue Migros-Chef Herbert Bolliger kündigte jetzt an, auf Expansionskurs zu gehen. Und zwar nicht irgendwo, sondern im Herkunftsland des Konkurrenten, also in Deutschland. Bis zu 20 Migros-Niederlassungen seien in Süddeutschland geplant, präzisierte eine Sprecherin des Einzelhandelsunternehmens.

Machen die Schweizer ihre Pläne war, bedeutet dies eine Änderung der bisherigen Strategie: Migros ist bisher bis auf ganz wenige Ausnahmen nur in dem kleinen Nachbarland aktiv. Dort allerdings ist Migros die Nummer eins unter den Einzelhändlern. Das Unternehmen hat sich eine strenge Unternehmenskultur auferlegt: So werden zum Beispiel keine Zigaretten und Spirituosen verkauft. Bisher hat sich Migros gescheut, sein Konzept auf andere Länder zu übertragen. Nur nahe Genf und Basel gibt es jeweils zwei Märkte, die jenseits der Schweizer Grenze stehen.

Allerdings sehen die Schweizer das Eindringen von Aldi äußerst skeptisch. Sie fürchten vor allem, ihr Preisniveau nicht halten zu können. Bereits die Ankündigung der Deutschen, Läden im Nachbarland zu eröffnen, führte im Schweizer Einzelhandel mit seinen drei großen Wettbewerbern Migros, Coop und Denner zu einem regelrechten Preiskrieg. So hat Migros nach Bolligers Auskunft in diesem Jahr sein Sortiment unterm Strich um ein Prozent oder umgerechnet 92 Mill. Euro verbilligt. Im nächsten Jahr werde sich dieser Trend noch verschärfen. Dann sollen Preissenkungen von mehr als 110 Mill. Euro greifen. Die Strategie setzt Migros um, in dem der Händler immer mehr Produkte der preiswerteren Eigenmarke M-Budget anbietet.

Bislang steht noch nicht fest, wo genau und wann die Märkte errichtet werden. Ein eigenes Verteilzentrum ist nach jetzigem Stand nicht geplant, allerdings will Migros regionale Produzenten als Lieferanten aufnehmen. Migros werde auch in Deutschland mit seiner Billiglinie M-Budet vertreten sein, kündigte die Sprecherin an, womit die Schweizer es nicht zuletzt auf Aldi-Kunden abgesehen haben. Bei Aldi, wo derzeit gerade die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung der ersten vier Schweizer Filialen am Donnerstag getroffen werden, ruft die Ankündigung nur Schulterzucken hervor. „Dass die Konkurrenz nicht tatenlos zuschaut, beobachten wir bei jedem Markteintritt“, sagt Dirk Essmann von der Geschäftsleitung bei Aldi-Suisse.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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