Schweizer Finanzminister kündigt mögliche Kapitalerhöhung als „Mitgift“ an
Swiss schafft Grundlagen für eine Allianz

In die Diskussion um einen Zusammenschluss der Schweizer Fluggesellschaft Swiss mit der Lufthansa kommt Bewegung. Auf der einen Seite halten Swiss-Kenner wie der ehemalige Firmenchef André Dosé eine Fusion mit den Deutschen für unausweichlich.

ZÜRICH. Auf der anderen Seite macht die Swiss Fortschritte bei ihrer Restrukturierung. So äußerte sich die Fluggesellschaft in der vergangenen Woche optimistisch, einen Kredit in Höhe von umgerechnet 232 Mill. Euro zu erhalten. Der neue Swiss-Chef Christoph Franz hatte solche Fortschritte zur Voraussetzung erklärt, um Verhandlungen mit Partnern aufnehmen zu können.

Eine besonders wichtige Rolle im Ringen um einen Zusammenschluss spielt die Schweizer Bundesregierung. Der Bund hält 20,3 Prozent der Anteile an der börsennotierten Fluggesellschaft. Deshalb ist es interessant, dass der Schweizer Finanzminister Hans-Rudolf Merz nun in einem Interview angekündigt hat, möglichen Käufern die Swiss durch eine Kapitalaufstockung schmackhaft zu machen. Als Richtgröße nannte er 200 Mill. Euro, um die die Anteilseigner das Kapital der Swiss erhöhen würden. „Das wäre dann eine Art Austrittspreis“, sagte der Finanzminister. Der Bund selber würde seinen 20-prozentigen Anteil an dieser Kapitalerhöhung tragen, ergänzte er.

Das Vorgehen des Finanzministers löste Erstaunen aus. Andere Großaktionäre wie der Kanton Zürich und die Telefongesellschaft Swisscom wollen von einer Kapitalerhöhung derzeit nichts wissen. Ex-Chef Dosé nannte es im Gespräch mit dem Handelsblatt „amateurhaft“ eine Summe zu nennen. „Das war schlecht für die Swiss und für die Aktionäre“, sagt er. Von der Fluggesellschaft selbst kommt nur die Aussage, dass man den Vorschlag „mit Überraschung“ zur Kenntnis genommen habe. Analysten immerhin erkennen an, dass der Finanzminister durchaus realistisch rechnet: „Die Firma braucht neues Kapital, damit sie für einen Verkauf sexy genug ist“, sagt Jérome Schwapp von der Schweizer Privatbank Syz & Co.

Unabhängig von diesen Bemühungen stellen Swiss und Lufthansa selber offiziell klar, derzeit keine Gespräche miteinander zu führen. Die Deutschen verweisen dazu wie schon öfters auf eine Aussage von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, der die Beziehungen zu den Schweizern nach den gescheiterten Verhandlungen im vergangenen Jahr mit dem Ausdruck umschrieben hat: „Die Swiss hat die Tür geschlossen, wir haben sie nicht abgeschlossen.“ Auf Schweizer Seite erklärte ein Sprecher gestern, dass eine Fusion „kurzfristig kein Thema ist“. Er bezieht sich auf seinen Chef Christoph Franz, der angekündigt hat, die Swiss erst auf Kurs bringen zu wollen, bevor er das Thema einer Partnerschaft angeht.

In diesen Bemühungen allerdings sind Franz und seine Mannschaft jetzt ein Stück weiter gekommen. Die Fluggesellschaft kündigte an, bei den seit mehr als einem Jahr andauernden Verhandlungen um einen Betriebskredit einen Durchbruch erzielt zu haben. Unter Führung der Halifax Bank of Scotland stellen insgesamt fünf Kreditinstitute 232 Mill. Euro bereit. Die Swiss will das Geld nutzen, um Verbindlichkeiten abzudecken und ein Polster für Notfälle anzulegen. Ob der Kredit tatsächlich zu Stande kommt, hängt allerdings noch von deutschen Leasingnehmern ab: Mehr als 1000 deutsche Privatanleger halten Anteile an einer Leasinggesellschaft, bei der die Swiss Flugzeuge gemietet hat. Als Sicherheit für ihr Geld dienen den Investoren bislang die Flugzeuge. Weil die kreditgebenden Banken die Flugzeuge nun als Sicherheit für sich beanspruchen, sollen sich die deutschen Investoren künftig mit einer Bankgarantie zufrieden geben. Stimmen sie allerdings zu, steht dem Millionenkredit nichts mehr im Wege und die Swiss wäre einen Schritt weiter.

An der Börse gilt es bereits als sicher, dass die Fluggesellschaft den Kredit erhält. Die Swiss-Aktie hat in dieser Woche einen Kurssprung von zeitweise mehr als 30 Prozent erreicht.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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