Schwellen- und Entwicklungsländer
Mobilfunker zielen auf neue Märkte

In ihren angestammten Absatzmärkten der Industrienationen stoßen die einst so erfolgsverwöhnten Mobilfunker an ihre Wachstumsgrenze. Die neue große Hoffnung der Branche sind die Schwellen- und Entwicklungsländer.

DÜSSELDORF. In den Industrienationen besitzt nahezu jeder Einwohner ein Handy. Die Folge: Die Preise sinken, der Druck auf die Margen steigt, und Wachstum ist allenfalls mit neuen Diensten oder dem Ersatz des Festnetzes zu erzielen.

Ein vergleichsweise gigantisches Potential bieten dagegen Emerging Markets wie Indien oder China. Dort warten Millionen von Kunden darauf, via Handy in das Telefon-Zeitalter vorzustoßen. „In armen Ländern existiert häufig gar kein Festnetz“, erklärt Klaus von den Hoff von der Unternehmensberatung CSMG Adventis. Eine Telefon- oder gar DSL-Leitung bis in entlegene Ortschaften zu buddeln, rechnet sich meist nicht. Mobilfunkkunden dort nutzen ihr Handy entsprechend intensiv.

Die US-Marktforscher von Strategy Analytics gehen davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren etwa 60 Prozent des Wachstums der Branche aus Emerging Markets stammen werden. Allerdings liegen die Minutenpreise dort weit unter denen in Europa. Die monatlichen Umsätze je Kunde sind in den neuen Hoffnungs-Regionen vergleichsweise gering: Beim indischen Marktführer Bharti etwa liegen sie bei umgerechnet sieben Euro pro Monat, während deutsche Vodafone-Kunden dreimal so viel Geld vertelefonieren.

Für die Mobilfunker rechnet sich das Engagement dennoch. Der Grund: Auch die Kosten in den künftigen Boomregionen sind wesentlich geringer als hierzulande. Das führt dazu, dass die Margen vor Gewinn, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den Schwellenländern oft sogar höher sind als in den reichen Wirtschaftsnationen. „Die Renditen in Emerging Markets sind höher als in allen anderen Regionen der Welt“, sagt Phil Kendall von Strategy Analytics. So erreichten die Anbieter in Schwellenländern Ebitda-Margen von 55 bis 60 Prozent, während sie in den USA bei 30 Prozent und in Europa zwischen 35 und 45 Prozent lägen.

Der Schlüssel dazu liegt in den niedrigeren Kosten. „Die Mobilfunkbetreiber in armen Ländern sind sehr erfinderisch, wenn es etwa darum geht, mit wenig Geld neue Kunden zu gewinnen“, erklärt Stephanie Pittet vom Marktforscher Gartner. So würden Mobilfunk-Nutzer oft selbst Kunden werben und im Gegenzug Nachlässe bei den eigenen Minutenpreisen erhalten. In Deutschland zahlen Vodafone & Co. dagegen im Schnitt 90 bis 100 Euro an so genannten Kundengewinnungskosten pro neuem Nutzer.   Zudem hat sich die Technik in so weit entwickelt, dass es heute viel billiger ist als noch vor einigen Jahren, ein neues Mobilfunknetz aufzubauen. In Schwellenländern reicht zudem meist die Basis-Technologie, da Handys dort nur zum telefonieren und nicht wie hier auch zum mobilen Surfen oder zum Verschicken von E-Mails dienen. 

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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