Schwule Literatur
Zensur-Vorwürfe treffen Amazon

Wegen einem vermeintlichen Fehler in seiner Suchfunktion steht Online-Händler Amazon in der öffentlichen Kritik. Etwa 57 000 Titel, meist mit homosexuellem Inhalt, wurden nicht in der Amazon-Suche berücksichtigt und aus den Rankings gestrichen. Amerikanische Lesben- und Schwulenverbände sind empört.

SAN FRANCISCO. Das Online-Versandhaus Amazon hat offenbar über längere Zeit über 50 000 Buchtitel nicht in seiner Suche angezeigt. Da nur Bücher aus bestimmten Themenbereichen, etwa solche, die mit dem Begriff „gay“ (schwul) gekennzeichnet sind, ausgeschlossen wurden, hat der Fehler bei Autoren und Kunden harsche Kritik ausgelöst. Amazon räumte inzwischen einen unabsichtlichen Katalogisierungsfehler ein und teilte mit, dass mehr als 57 000 Titel betroffen seien.

Entgegen anderslautenden Berichten im Internet stammten sie allerdings nicht nur aus dem Bereich homosexuelle Literatur, sondern auch den Gebieten Erotik und Sexualmedizin. Die Titel waren zwischenzeitlich auch aus den Popularitätsranglisten entfernt worden.

Das US-Unternehmen gelobte, den „peinlichen“ Fehler schnellstmöglich zu beheben und erklärte, es sei auf die Vollständigkeit seines Angebots bedacht. Viele Titel seien bereits wieder in die Suchfunktionen und die Rankings integriert. Das Unternehmen wolle sicherstellen, dass ähnliche Fehler künftig nicht wieder passierten.

Auf seiner Webseite veröffentlicht Amazon Ranglisten, aus denen Kunden, Autoren und Verlage ersehen können, welche Titel sich am besten verkaufen. Sie werden stündlich aktualisiert. Titel, die nicht über die interne Suchfunktion angezeigt werden, sind für Kunden nur noch schwer zu finden.

Nachdem schwul-lesbische Bestseller wie „Transgressions“ oder „False Colors“ plötzlich nicht mehr in der Verkaufsstatistik auftauchten, hatten Internet-Blogger Fragen zur Rankingstatistik von Amazon aufgeworfen. Autoren homosexueller Literatur wie Mark Probst erklärten am Osterwochenende, Amazon habe ihre Bücher absichtlich aus den Rankings herausgenommen. Der Autor des Buches „The Filly“, das von einer Liebesgeschichte zweier Cowboys handelt, hat nach eigenen Angaben bei Amazon nachgefragt, warum Titel aus den Rankings verschwunden sind. Amazon habe daraufhin erklärt, so Probst, bestimmte Titel für Erwachsene würden in einigen Suchfunktionen und den Bestseller-Listen nicht berücksichtigt. Probst und andere Autoren berichteten in ihren Blogs davon, dass sie ihre Bücher nicht mehr fanden. Daraufhin verbreitete sich die Nachricht im Internet rasant. Zwischenzeitlich behauptete zudem ein Hacker, er habe dafür gesorgt, dass die Amazon-Site etliche vermeindliche Nutzer-Meldungen zu vermeintlich „unangemessenen“ Büchern bekommen habe, so dass diese automatisch nicht mehr in den Suchergebnissen aufgetaucht seien.

Die „New York Times“ meldete gestern, einige Autoren hätten einen Boykottaufruf gestartet. „Ich möchte nicht, dass mein Buch von Amazon wie ein Porno behandelt wird“, zitierte die Zeitung einen Initiator. „Wir müssen wachsamer darauf schauen, wie Amazon mit dem kulturellen Erbe umgeht.“

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