Seetours setzt auf Aida-Flotte
Kreuzfahrtbranche unter Druck

Die Jahre lang verwöhnte Kreuzfahrtbranche leidet trotz wachsender Passagierzahlen in diesem Jahr unter einem erheblichen Preisdruck.

Reuters HAMBURG. Der seit April zur weltgrößten Reederei Carnival gehörende deutsche Marktführer Seetours rechnet 2003 zwar mit 60 % mehr Gästen und Umsatz. „Allerdings wird sich das Ergebnis wohl allenfalls leicht verbessern“, sagte Reederei-Chef Lars M. Clasen am Dienstag in Hamburg. 2004 erwartet Seetours steigende Passagierzahlen bei stabilen Preisen.

Allerdings muss das binnen weniger Jahre mit preiswerten Seereisen für jüngeres Publikum zum Marktführer aufgestiegene Unternehmen seine Strategie ändern. Nach der Fusion der bisherigen britischen Muttergesellschaft P&O mit Carnival werde sich Seetours künftig nur noch auf seine stärkste Marke „Aida“ konzentrieren. Die Marke „A'Rosa“ gehe an die Rostocker Arkona AG, das Schiff „A'rosa blu“ werde in die „Aida“-Flotte integriert. Zudem verkaufe Seetours das lukrative, aber aus Carnival-Sicht zu kleine Flussfahrtengeschäft, sagte Clasen.

Seetours will mit künftig vier Schiffen der Marke Aida weiterhin wachsen und möglicherweise mittelfristig auch außerhalb Deutschlands erlebnisorientierte Kreuzfahrten anbieten. In diesem Jahr rechnet Seetours damit, die Zahl der Passagiere dank zwei zusätzlicher Schiffe um rund 60 % auf gut 200 000 zu steigern. Der Umsatz werde sich in ähnlicher Größenordnung erhöhen und dürfte damit die Marke von 300 Mill. € übertreffen. Das Ergebnis wurde von Preisaktionen und dem erheblichen Werbeaufwand belastet. Auch der Mutterkonzern Carnival verzeichnete im zweiten Quartal 2003 einen Gewinnrückgang um 35 % auf 127,8 Mill. $.

Der von Seetours von Platz eins verdrängte langjährige Marktführer Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten, eine Tochter des Touristikkonzerns Tui, wird nach jüngsten Angaben in diesem Jahr aller Voraussicht nach Verluste schreiben. Nach dem Buchungsrückgang in den ersten Monaten liege die Nachfrage aber aktuell wieder über dem Vorjahr, sagte eine Sprecherin.

Der kürzlich neu an die Spitze der traditionsreichen Kreuzfahrttochter berufene Geschäftsführer Sebastian Ahrens kritisierte jüngst die Preisstrategie von Konkurrenten wie Seetours als schädliches Preisdumping. Hapag-Lloyd wolle nicht um jeden Preis wachsen, erklärte er im Fachmagazin „FVW“. Gleichwohl wolle man auf den Wandel der Kreuzfahrtkundschaft reagieren und auch jüngeres Publikum um die 40 Jahre ansprechen.

Deutschland gilt nach Ansicht der Seetours-Manager weiterhin als wachstumsstärkster Kreuzfahrtmarkt. „Rund 40 % der Deutschen können sich einer aktuellen Studie zufolge eine Seereise vorstellen“, sagte Clasen. Die Zahl der Passagiere für Seereisen werde sich 2003 nach Seetours-Schätzungen bundesweit von 430 000 auf rund 500 000 erhöhen und mittelfristig auf 750 000 steigen. Auch der im Kampf um P&O unterlegene schärfste Carnival-Konkurrent, Royal Carribean, baut seine Kapazitäten in Europa und insbesondere in Deutschland aus.

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